Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 85)
- Language
- German
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82 bei und Gewerbe angewiesen gewesen; sie sotten nun Landlente, Bauern werden. Wer nur halbwegs die Bedeutung des Kaufmannes, mit seinem weitschauenden, weitumfassenden Blick kennt; anderseits aber auch weiß, wie der Bauer zumeist an der Schotte klebt und kleben muß; wer ferner nur theilweise das menschliche Gemüth kennt und es versteht, wie verschiedenartig, wie himmelweit bei Beiden das Denken und Fühlen ist: der wird zugeben, daß eine solche Wandlung nur sehr langsam vor sich gehen kann. Bedenken wir nur, welche Stürme, welchen Kampf es kostet, bis die Denkkrast im Menschen zu ihrer vollen Blüte sich entwickelt und zwar auf dem Geleise, das wir von frühester Jugend betreten haben; wie erst da, wo der Mensch plötzlich in eine andere Bahn geworfen wird. Und doch verlangen wir vom Menschen, daß er über Nacht einen andern Menschen anziehe. Versuchet es einmal, ob der Apfelbaum auf Euer Geheiß Birnen tragen; strenget Euch an und sehet ob die Violine Töne einerBaßgeige Hervorbringen wird; der Mensch aber sott die Tastatur seines Herzens so eingerichtet haben, daß alle Töne und Spielweisen mit gleicher Vollendung darauf hervorgezaubert werden sollen. Es ist vielmehr wahrhaft die Vielseitigkeit des jüdischen Geistes und seine Ausdauer zu bewundern, wenn in so kurzer Zeit schon so viel geschehen ist. Gönnet erst die Möglichkeit, lasset Zeit zur Entwicklung und Israel wird zeigen, wie es dem Boden die tiefsten Geheimnisse entlockt, wie einst das verheißene Land durch dasselbe das gelobte Land wurde. Wir verweisen auf das soeben von Kompert erschieneneBuch: »AmPflug,« wo die Umwandlung eines Handelsjuden in einen Dorfbauer mit aller Tiefinnigkeit dieser reizenden Feder geschildert wird. Die tausend Fäden, welche an die Vergangenheit gewohnter Beschäftigung und Umgebung binden, sind in ihrem Coutraste zum neuenjungen Leben geschildert. Wahr, innig und ergreifend. Ein tragisches Geschick modernen Judenlebens. Indem wir hier von den Juden als Ackerbauern und als Kanfleuten sprechen, erlauben wir uns in Betreff des