Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 40)
- Language
- German
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37 nicht als sicher bestehend anerkannt worden. Und diese Kunst, die m der neuern Zeit Gemüther entflammt und begeistert, bald in erhabenen Tönen die Gottheit lobt und preist, bald Ln fröhlichen Melodien das Leben verschönert und ziert, bald die Leidenschaften sänftigt oder erhöht, sie war schon in den ältesten Tagen die Kunst des jüdischen Volkes, die einzige ihm gestattete, die einzige ihm mögliche, wenn wir unter Kunst die Darstellung des Göttlichen in äußern, den Sinnen erklärbaren Formen begreifen wollen. Mehr als ein Jahrtausend vor Athens Blüte erklingt Lied und Gesang zu Moses, des göttlichen Mannes, Zeit und Wirken; mehr als ein halbes Jahrtausend vor Perikles hat Salomo denCultus nach seines königlichen Vaters Weise auf Musik begründet. Wem ist bei dem geringen, aus der hebräischen Sprache in der heiligen Schrift uns aufbewahrten Schatze die große Zahl der auf Musik und. Gesang sich beziehenden Wörter nicht aufgefallen?! Wie das Wort, das als edelste Form in menschlicher Sprache das Gedankenkleid bildet, gehört der Ton den innern Organen an und dringt durch Vermittlung des Ohres gleich jenem in das Herz des Menschen; wie die Schrift, in späterer Zeit erfunden, das Wort firirt, und die Rede Vielen und der Nachwelt zugänglich gemacht, so hat auch die Musik Zeichen gebildet, die aus gleiche Weise das Werk des schaffenden Künstlers zu gleicher Zeit an den von einander entferntesten Weltgegenden zur Aufführung bringt, und der Nachwelt aufbewahrt. Vergötterung ist hier unmöglich; der Geist hat die ihn am meisten ehrende Form gefunden, in die der Kunstsinn belebend eindringen und das Schöne dem Gehöre des Menschen zuführen kann. Nicht an Einen Ort gebannt und schwer zu bewegen, wie die Marmorstatue, nicht der Zerstörung ausgesetzt, wie das Farbenbild, lebt Lied und Gesang gleich dem in Worten gefaßten Gedanken des schöpferischen Menschengeistes, so lange die Vorsehung es gestatten will. Nicht mehr einzelne Claffen, die durch Erziehung gehoben, den Kunstsinn