Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1855-01-01 · Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855) · p. Seite 36

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 36 (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2609281-2609284--2549-2609892
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

36 die Glaubenssätze der Kirche, an die sie Heil und Erlösung knüpft; hinschwebend, wie hingehancht soll auch die Form sein, in der dem Blicke des gläubigen Beschauers jene Per> sonen sich darstellen sollen, die auf Erderl wohl menschlich lebten und starben, und nun dem menschlichen Geiste unerklärbar, rein und lauter, die Himmel bewohnen in voller Seligkeit. Die Malerei vereinigt aus eigenthümliche Weise die Bedingungen, die der christliche Glaube an die Kunst stellt; sinnlich wohl sind ihre Schöpfungen, aber nickt materiell, wenn man diesem Worte nicht hier die physische Genauigkeit beimefsen will; sie vergeistigt und verschönt ohne ins Groteske oder Unmeßbare zu verschwimmen; sie hat Form ohne sondernde Grenzen, Farben statt eintönigen Allssehens, und besonders — Augen und beb mde Blicke. Und so schuf das christliche Mittelalter Maler, die, gleich den heidnischen Bildhauern, das Größte in ihrer Kunst schufen; was auch immer Apelles und Polygnatus geleistet haben mögen, vor Raphael und allen jener großen Zeit angehörigen Malern verschwinden sie in demselben Maße, Ln dem die Producte der Bildhauer dieser Epoche den großartigen Meisterwerken der perikleischen Zeit nachstehen. Wohl gibt es noch Maler seit der Mediceischen Zeit; sicher hat diese Knnstform, als Darstellung von Geschichtsereigniffen oder Naturwerken, als Geschichts- oder Landschastsmalerei, noch einen bedeutenden Kreis zll durchlaufen, das Größte aber ist geschehen. Eine andere, von unserm, vielleicht vom menschlichen Standpuncte höhere Kunstform ist erstanden; sie zieht die edelsten Geister an sich, sie hat die Stimme der Welt, den Zug der Zeit für sich. Das Reich der Tonkunst ist angebrochen; wohl war selbe den Griechen nicht unbekannt; im Mittelalter gab es hin und wieder Männer, die aus Instrumenten oder in, der menschlichen Stimme angelernten Liedchen auch dieses Reich der Kunst nicht leer ausgehen ließen, doch Schöpfungen waren sie nicht; das Reich und die Herrschaft gehörte nicht der Musik, deren Zeichen und Sprache selbst in jener Zeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.