Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2609281-2609284--2536-2609879- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
23 nutzend. Neue Eohorren waren tm Anzuge nach Jerusalem und Florus bewog die jüdischen Großen, die Hohenpriester in ihrer heiligen Tracht, ihnen entgegen zu ziehen, um — unter den Rosseshufen zertreten zu werden. Aber das Volk war auf seiner Hut; so wie die Kohorten fluchend und mordend in die Stadt einstürmen, besetzt es den Tempel und bricht die Brücke mit dem Säulengang ab, die über einer Tiefe von der Stadt nach dem Tempel führte, und zeigt sich entschlossen, den Tempelschatz, auf den es Florus abgesehen hatte, mit seinem Leibe zu decken. Diese muthige Haltung imvonirte dem feigen Procurator, er erklärre sich bereit, von Jerusalem abzuziehen und nur eine einzige Cohorte zurückznlassen. — Sein Abzug ermuthigte die Freiheitspartei und reifte den Entschluß, das römische Joch abzuschütteln und den jüdischen Freistaat von ehemals wieder herzustellen. Diesen Entschluß beförderte unwillkürlich der jüdische Titularkönig Agrippa II., seinem Urahn Herodes an Zuneigung zu Rom, nicht an Energie und Klugheit ähnlich. Er will des Volkes Muth brechen durch Schilderung der Allmacht und Unbezwmgbarkeit Roms gegen die Winzigkeit Judäas, er will das Volk überreden, die Waffen niederzulegen, die abgebrochene Brücke wieder herzustellen, die zurückgehaltene Steuer für den Kaiser abzuliefern, und sich vor der Hand Florus' Befehlen zu unterwerfen. Bei dieser Zumuthung ergreift das Volk Steine und droht diesen Feigling zu tobten, der in eiliger Flucht mit seiner Schwester Berenice Jerusalem verläßt. Ja weine nur, schöne Prinzessin Berenice! deine Augen werden Jerusalem, wo deine Vorfahren, die Hasmonäer, mit Glanz geherrscht, wo dein Urahn Herodes wenigstens einen Schein von Macht genossen hatte, nicht mehr Wiedersehen. Bald wird dein Herz, das noch fronrmen Gefüblen zugänglich ist, sich der Liebe und dem Ehrgeiz erschließen; eine Kaiserkrone wird dir winken, aber nur um dich dem Unglück zu weihen, und du wirst über die Täuschung dein Leben in Gram verzehren! ein lebendiges Bild für dein Vaterland, das sich gleich dir von der Sprenen-