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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1855-01-01 · Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855) · p. Seite 22

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 22 (sequence 25)
Language
German
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22 vereinzelt lassen, begab er sich nach Jerusalem, die Langmuth der Inden zu reizen und einen entscheidenden Schlag auf die letzte Spur der jüdischen Selbstständigkeit zu führen. Es lag in seiner Absicht, ben Unwillen der jüdischen Nation geradezu heranszufordern. Daher verlangte er, daß ihm vom heiligen Tempelschatze siebenzehn Talente Silbers eingehändigt werden. Die neue freche Herausforderung war gut berechnet. Das Volk in seinen materiellen und religiösen Interessen zugleich bedroht, rottete sich auf dem Tempelberge, dem Forum Jerusalems, zusammen und machte seinem Zorn vor der Hand in Worten gegen die Freiheitsmörder Luft. Man trägt zum Spott eine Büchse herum, für »das arme Rom« zu sammeln. Und als hätte er diesen Rückschlag erwartet, beeilt sich Florus, Jerusalem zu erreichen. Er läßt bei seinem Einzuge die Cohorten selbst auf diejenigen einhauen, welche in römerfreundlichem Sinne gekommen waren, seinen Zorn zu beschwichtigen. Aber das hindert die jüdische Aristokratie nicht, welche im Kampfe mit Rom um ihre Reichthümer und Ehrenstetten besorgt war, sich von Neuem zu demüthigen und den frechen Römer um Verzeihung für das erlittene Unrecht zu bitten. Aber Florus ist unerbittlich; er ertheili seinen Soldaten die Erlaubniß, den Obermarkt von Jerusalem zu plündern und jeden sich Widersetzendeu zusammen zu hauen. Er kannte seine Banden, daß sie sich nicht an die Einschränkung halten, sondern alle Quartiere plündern und auch die in den Häusern Eingeschlossenen niedermetzeln werden. Sie schonen aber auch kein Alter und kein Geschlecht, tobten in einem Tage 4000 Personen, und Florus läßt die angesehensten Juden, sogar diejenigen, die römische Würden genossen, geißeln und ans Kreuz nageln. Vergebens wirst sich die jüdische Prinzessin Berenice, deren Schönheit den Kaiser Titus gefesselt hatte, daß er sie beinahe zur Kaiserin erhoben hätte, Florus zu Füßen und fleht ihn an, dem Gemetzel Einhalt zu thun. Er hört weder aus ihr Flehen noch auf ihr Drohen, sondern sinnt arglistig auf neues Verderben, die Leichtgläubigkeit der Optimalen be-

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