Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 6)
- Language
- German
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3 Punktes und Entfaltung der dasselbe durchwehenden höheren Gottesideen war vielmehr der Angelpunkt, um welchen Alles sich bewegte, was in dem immer mehr zunehmenden Sagenschatze Raum fand. Mit gleicher Unbefangenheit wurden hier der eignen und nächst vorhergegangenen Zeit, Charaktere, Zustände und Verhältnisse entnommen und in die Tage der Vorwelt verseht, dort wieder Aussprüche und Andeutungen aus alter Zeit auf spätere Thaten und Geschehnisse übertragen; ans dem Ganzen aber eine Kette bunter Steine gebildet, die hell und weit glänzte und deren lichter Schimmer selbst die düstersten Nebel des Mittelalters zu verscheuchen und in finsteren Nächten die Hoffnung aus eine baldige neue Morgenröthe wach zu erhalten im Stande war. Aber auch dieser Quell versiegte Lm Wechsel der Zeit und je größer die Entfernung ward vom Boden seines Ursprungs. Danken wir es einem gütigen Geschiche, daß mindestens das, was aus der alten Sagenwelt in öffentliche Vorträge, halachische Discuffionen, exegetische Sammelwerke und für das Volk verfaßte Monographien, später auch Ln liturgisch-poetische Bearbeitungen, zum Theil im buntesten Durcheinander eingestreut worden war, erhalten blieb, auf daß Gemüth und Phantasie eines späten Geschlechts noch daran sich erhebe und ergötze. Waren nun die gedachten Werke und Sammlungen (Midraschim oder Auszüge derselben) früher fast Gemeingut der israelitischen Glaubensgenoffenschaft; suchte Alt und Jung jedes nach seiner Weise darin Trost und Erbauung, schöpfte daraus neue Liebe und neue Anhänglichkeit an den alten Glauben, so ist hingegen für die gegenwärtige, in~her Civilisation des neunzehnten Jahrhunderts herangereiste Generation nicht nur der Geschmack an Form und Darstellungsweise der alten Compilationen nicht mehr vorhanden, sondern auch das Verständniß derselben größtentheils verloren gegangen. — Durch dieses allmälige Abstreifen des poetischen Gewandes drohet aber der mosaischen Lehre, selbst da, l '