Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 5)
- Language
- German
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Weltgeschichte, allen Stürmen der Zukunft trotze und die entferntesten Zeiten überdauere, so knüpfte sich hingegen die Sage mit Liebe und Innigkeit an die Vergangenheit an. Gleichsam mit rückwärts schauenoem Seherblicke suchte sie den Inhalt und das Ergebniß der Lehre in den Begebenheiten der Vorzeit, in den Schicksalen der Urahnen aufzufinden. Beide, Lehre und Sage, in der uachbiblischen Zeit allmälig als Halacha und Hagada sich entwickelnd, sind die heilbringenden Engel, die das Judenthi-nn ins Leben führten, durch alle Geschicke im Laufe der Zeiten es treu begleiteten und auch fürder ihm zur Seite stehen, wenn gleich zu einem Riesenkoloffe herangebildet, von dessen Gipfel vier Jahrtausende herabschauen. — Nicht mit einer gesetzlichen Bestimmung beginnt das Buch aller Bücher zur Menschheit zu reden (wie schon ein alter Autor sinnvoll bemerkt); die Ereignisse der Vorwelt sind es, die erst vor unseren Blicken entrollt werden, das was in der Geschlechter Folge sich zutrug, seit der Schöpfung bis zur Erwählung Israels, wird kund gethan, »die Macht seiner Thaten erzählt er — Gott — seinem Volke,« ehe er aufSinai's Höhen sich herabläßt, seinen Willen zu verkünden. So wird das Gesetz, die Lehre, durch die Geschichte, durch die Sage erst begründet und eingeführt. Gegenwart und Zukunft erhalten ihr Relief und ihre Bedeutung erst nachdem die Vergangenheit in lebensvollem Bilde veranschaulicht ist. Doch gleichwie die Prophetenstimmen verstummten, so zerbrach der Griffel, womit das göttliche Schriftwort war ausgezeichnet worden. Im Munde des Volkes, seiner Lehrer und Glaubenstreuen erhielten und erweiterten sich nunmehr die Geschichten, Tradrtionen und Sagen aus den Zeiten der Vorväter. Dunkles ward aufgehellt, Unvollständiges ergänzt, Widersprechendes gesichtet und ausgeglichen; so lösten sich allerdings manche Schattenpartien in Lichtbilder auf, während aber auch der Glorienschein zerfloß, der manche Gestalten umgeben hatte. Keinem zu Liebe, Keinem zu Leide; die Verherrlichung des religiös-nationalen Stand-