Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 436)
- Language
- German
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332 „Verstehst Du Dich auf Haber, Jüngel?" fragte der Randar fast verwundert. „Es ist zwar nicht mein Geschäft," meinte Kobi, „aber man kann nicht wissen, wie Einem so etwas einmal unter die Hände kommt. Dann möchte ich nicht gern in ein Unglück gerathen." „Du scheinst vielerlei Sachen zu verstehen, Jüngel," sagte nach einer Weile der Nandar mit einem so bedeutsamen, rmd feinenLächeln, wie es die Spöttler dem „Sprostak" nicht zugetraut hätten. In Kobi aber drängten sich, seitdem er den verhängnißvollen Ausspruch gethan, Geister auf Geister, die nach Erlösung schrieen; es überkam ihn eine Art von Ermüdung, da zu sitzen und mit dem Randar über den Preis des Habers zu schwatzen, während er doch nicht wußte, ob sie gerade, um derentwillen er das Wagniß unternommen, einverstanden damit sei, ob erbleiben, ob er wagen dürfe? Wenn sie nun nicht wollte? denn auf sie kam es doch zumeist an, wie hatte er sich dann selbst überlistet, im eigenen Netze sich selbst gefangen! Darüber mußte er bald Licht haben; das, empfand Kobi Lebhaft, sei die Hauptsache und zwar noch vor dem Essen. Unter dem Vorwände, nach seinem Kutscher sehen zu müssen, Hing er hinaus. Sein Weg führte ihn an der Küche vorbei; ^in flüchtiger Blick hatte ihn belehrt, daß die, die er suche, darin sei. Rasch trat er hinein und auf das erschrockene Mädchen zu. „Verzeihe mir," sagte er in fliegenden Worten, aber voll Innigkeit und Wahrheit, „wenn ich Dir vielleicht ungelegen komm'. Ich kann nicht lange mit Dir reden, höre mich nur kurze Zeit. Deinetwegen bin ich da, Deinetwegen bin -ich gekommen. Sieh mich an und sage mir dann: darf ich bleiben und mit deinem Vater reden? oder soll ich gehen? Wenn ich gehen soll, so sag' mir es gleich; ich möchte nicht -zwei Minuten länger leben und nicht wissen, was entweder