Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 418)
- Language
- German
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314 Schleier ziehen, eben weil sie geheim sind; aber das können wir sagen, die Welt würde, wenn sie ihr vor die Angen kämen, mit vollem Rechte Perl beistimmen, die sich nicht enthalten konnte, von Zeit zu Zeit ein bewunderndes Wort drein zu reden. „Ja, wenn man's so anfängt," meinte sie in ihrer Befriedigung, „so muß er's zu Stande bringen. Und dann? ist er nicht unser Kind?" In tiefster Stille wurde nun der ganze Angriffsplan zu Ende geführt; nur das Eine können wir verrathen, daß Rebb Wolf noch eine „Gelegenheit" für morgen frühe bestellen hieß, die aber draußen vor dem ..Ort" aufKobi warten sollte. Was brauchte die Welt zu wissen, wohin er am Cholemoiw fuhr? Rebb Wolf verfügte sich sodann zum Vorsteher, um demselben anzuzeigen, daß Kobi die Sendung angenommen. Als die Männer fort waren, überkam es das mütterliche Herz Perl's doch wie Furcht und Grauen; so lange ihr Sohn da war, schöpfte sie aus seinen Worten und Blicken Beruhigung. „Lebendiger Gott," seufzte sie aus der Tiefe ihres Herzens, „wenn er ihm nur nichts thut! Unser einziges Kind! Ich hält' doch nicht zustimmen sollen!" An andern Morgen zeitlich Ln der Frühe warKobi schon vollständig gerüstet, ehe die Eltern noch aufgestanden waren; er hatte sogar schon „ geort" und legte gerade die Tefillin zusammen. Wie nun Perl aus der Schlafkammer heraustrat und des Sohnes ansichtig ward, wußte sie sich vor Staunen und Bewunderung fast nicht zu fassen. So schön hatte sie ihren Sohn noch nie gesehen! Kobi hatte sich nämlich in seinen besten Anzug geworfen; es war ihr, als stünde ein „Prinz" vor ihr! Jetzt erst wurde sie ganz inne, was er für ein feiner Jung' sei; groß, schlank, wie aus Einem Stück gegossen, stand er vor ihr. Es war wunderbar, wie dieser Anblick sie stärkte und ermuthigte; sie hatte die halbe