Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 419)
- Language
- German
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315 Nacht nicht schlafen können, die andere Hälfte in wirren, bösen Träumen zugebracht, worin es ganz fürchterlich zuging. Ein „Bär" spielte darin die größte Rolle; auch sah sie zuweilen ihren Kobi auf einem Fuße hinken, oder mit nur einem Arm; der andere war ihm wahrscheinlich im Kampfe mit dem Unthier abhanden gekommen. Auch Rebb Wolf war der Meinung, Kobi sehe wenigstens so gut wie ein „Gras" aus. „Da siehst Du wieder, wie er ist," meinte er, „er könnt' sich nicht schöner anziehen für die eigene Beschau! Man kann gar nicht feiner aussehen, wenn man für sich selbst geht." Kobi sagte gar nichts, weder zur Bewunderung der Mutter, noch zum Vorwurf des Vaters; er bat nur, man möchte eiligst das „Anbeißen" (Frühstück) bereiten, sonst käme er unter die Leute, die zur „Schul" gingen. Als das Anbeißen vorüber, brach Kobi sogleich aus. Perl war in außerordentlicher Bewegung; sie that sich Gewalt an, um dem Kinde „das Herz nicht zu erschweren," wie sie innerlich meinte; aber ihre aufgeregt ängstlichen Züge verriethen gerade das Gegentheil. „Wirst Du's aber auch gut ansrichten?" fragte noch zu guter Letzt Nebb Wolf, den bei allem Vertrauen zu der Geschicklichkeit des Sohnes dennoch einige Zweifel zu plagen schienen. „„Ich denk,"" sagte Kobi trocken. Perl wollte nun mit aller Gewalt den Sohn bis vor den Ort hinansbegleiten. Nur mit Mühe vermochte sie Rebb Wolf zu bereden, das nicht zu thun. Dann erst wüßte man recht, meinte er, was Kobi vorhabe. „Eines aber versprich mir," sagte sie zu Kobi mit bebender Stimme, als sie schon in der Hausthüre standen, ^,daß Du Dich mit ihm nicht weiter einläßt, wenn Du siehst, daß mit ihm nichts zu machen ist, und daß Du mit ihm nicht »aufbegehrst, ihn nicht reizest, sobald Du siehst, daß er Dir etwas thun will. Versprichst Du mir das?"