Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 378)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2609281-2609282--2366-2609708- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
272 'die Frauen, doch blos um die Ausstattung zu besehen und ihr die nöthige Bewunderung zu zollen. Nach drei Tagen, immer an einem Mittwoch Nachmittags findet die Copulation statt. Statt einer „Chupah" wird das Brautpaar mit einem Gebetmantel (Talith) bedeckt. Neben ihnen stehen die Beistände, vor ihnen der einsegnende Chacham. Er spricht die gewöhnlichen Segenssprüche, liest dann die „Ketubäh" in einer Art Recitativ vor, und unterschreibt sie mit noch andern zwei Zeugen in Gegenwart der Versammlung; dann kommt die Ceremonie des Ringgebens, des Glaszerbrechens, des Segensspruches mit dem Kelch, und — Alles ist vorüber. Also kein „Herumdrehen" und keine „Chupah" wie sonst. — Doch ich habe mich nicht richtig ausgedrückt, wenn ich sagte: nun ist Alles vorüber; sondern jetzt fängt die eigentliche Hochzeitsceremonie erst an und dauert sieben Tage. Nämlich während dieser ganzen Zeit sitzen die Neuvermählten auf einem reichen Thronhimmel (der der Gemeinde angehört und überall herumgeliehen wird), der nur Raum für zwei Personen hat; kein Anderer darf da einen Platz usurpiren. Volle sieben Tage empfangen die Neuvermählten, auf ihrem Hochzeitsthron sitzend, Gratulations-Visiten von Bekannten und Freunden, die da kommen, „um die Chupah zu ehren." — Doch auch damit ist's nicht ganz abgemacht, denn das ganze erste Jahr nach der Hochzeit heißt die junge Frau „Kaläh" (Braut), und alle Verwandten und Bekannten rechnen sichs zur Ehre, dem jungen Paare einmal in der Woche ein Diner zu geben, und so gehts bei Allen der Reihe nach herum, bis das Jahr vorüber ist. So anhaltend die Nachwirkungen freudiger Ereignisse sich gestalten, so auch bei traurigen Begebenheiten. Stirbt z. B. ein Spagniole, so versammeln sich fast alle ältern und alten Weiber aus der Congregation im Hause der Leidtragenden, der Todte wird da mitten im Zimmer auf eine Art von Bahre gelegt, die Weiber setzen sich um ihn in mehreren concentrischen Kreisen herum und stimmen