Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 377)
- Language
- German
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271 wohl eine Gemeinde, im Leben wollten sie es nicht; doch um anch hier eine Differenz zu statuiren, so liegen die Leichensteine auf den Gräbern der Spagniolen, währenddem sie auf den Gräbern der Polnisch-Deutschen, wie überhaupt bei allen europäischen Völkern, zur Kopfseite des Grabes stehen. — Wie es bei den Spagniolen dazu kam, die uralten hebrä ischen „Mazewa" (Standmonumente) auf das Grab zu legen, kann ich mir noch jetzt nicht recht erklären. Wir sagten oben, daß selten spanische und polnischdeutsche Juden sich unter einander verheirathen. Das spanische Heiraths-Ceremoniell ist aber überdies so eigentümlich, von dem der europäischen Israeliten so sehr abweichend, daß ich es hier mit ein paar Worten erwähnen will. Erstens wird bei den Spagniolen das Verloben beinahe als ein eheliches Verbinden angesehen, und selten wird man bei den Spagniolen eine Verlobung rückgängig werden sehen, so wie man noch viel seltner Lei ihnen wirkliche Ehescheidungen trifft, obschyn bei ihnen fast nie die Heirathen aus innerer Neigung, vielmehr stets aus Convenienzrücksichten geschlossen werden; allein der Ehescheidungsact an und für sich selbst gilt ihnen gewissermaßen als eine Sünde. Dieses ist um so merkwürdiger, als bei der christlichen und auch bei der polnisch-jüdischen Bevölkerung in den Fürstentümern Ehescheidungen sehr häufig vorzukommcn pflegten. — Drei Tage vor der Hochzeit wird die Ausstattung der Braut in einem Zimmer ihres Wohnhauses öffentlich ausgestellt und an diesem Tage Vormittags die Nettesten der Gemeinde, Nachmittags hingegen die Frauen zur Beschau eingeladen. Die Männer nehmen auch die Absch ätzung der Ausstattung vor, die gewöhnlich etwas über ihren reellen Werth angeschlagen wird. Der Gesammtbe« trag wird zu dem baaren Gelde. das die Braut bekommt, und das ebenfalls auf dem Tische xer eomxtant daliegt (eine verwünschte Sitte wäre dieses für manche Mitgist-v ersprech ende Eltern anderswo!), hinzugerechnet, und darauf der Ehecontraet (die Ketubäh) aufgesetzt. Nachmittags kommen