Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 370)
- Language
- German
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264 spagniolischen Frauen, die fast nie aus dem Hause zugehm pflegten, beinahe das was sie vor einem halben Jahrhundert waren, das, was sie noch jetzt in der eigentlichen Türkei sind. Freilich muß man auch hier die Jugend und zwar in den bessern Häusern ausnehmen. Denn in diesen Kreisen werden die Mädchen (seit einigen Jahren) in christliche Pensionen geschickt, wo sie in der walachischen, französischen, manchmal auch in der deutschen Sprache und in weiblichen Handarbeiten» unterrichtet werden. Die Knaben besuchen in der frühesten Jugend spagniolische Privatschulen (ähnlich dem polnischen „Cheder"), wo sie Unterricht im Lesen des Hebräischen und Verständniß der Bibel erhalten, mitunter auch im Schreiben der jüdisch-spagniolischen Schrift unterrichtet werden. Vom Talmud-Unterricht ist hier keine Spur, kennen ihn doch die Lehrer selbst nur zu wenig; doch auch mit dem Bibelunterricht ist's nicht sehr weither. Die hebräische Grammatik ist in diesen Kreisen ein völlig unbekanntes Land. Nachdem die Knaben, acht oder neun Jahre alt geworden sind, werden sie in die bessern Häuser, in christliche Penfions-, oder auch in die öffentlichen walachischen Landesschulen*) geschickt. *) Da man im Publikum gewöhnlich so wenig von der innern Organisation der Walachei weiß, also gewiß auch nicht viel von der dasigen Organisation des öffentlichen Grund-Unterrichts, so dürfte nicht überflüssig sein, Folgendes hierüber mitzutheilen: Der öffentliche Jugendunterricht zerfallt hier in einen trivialen, normalen und centralen. Der Trivial- Unterricht geschieht auf den Dörfern und zwar nur im Wintersemester (vom October bis April), damit im Sommer die Jugend an den Feldarbeiten Theil nehmen könne, denn in einem noch so dünn bevölkerten Lande, wie in der Walachei, bei einer so übermäßigen Bodenausdehnung, müssen auch die Kinder im Felde den Eltern mithelsen. Die Dorsschullehrer sind meistens junge Burschen aus dem Dorfe selbst, die in der Normalschule des Kreises (Districtes) ihren Unterricht genossen haben. Ihr