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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1854-01-01 · Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854) · p. Seite 263

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 263 (sequence 369)
Language
German
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263 eigen zu sein scheinen, vorzuwerfen. Ebenso ungereimt wäre es, vom orientalischen Juden Anderes zu verlangen, als daß er ganz Orientale sei, mit seiner klassischen, ich möchte sagen plastischen Ruhe und Würde, seiner patriarchalischen Gastfreundlichkeit und Redlichkeit, aber auch mit etwas von seiner geistigen Trägheit, Beschränktheit und Indolenz. Die Tracht der Spagniolen (so nennt man dort die spanisch-portugiesischen Juden) war ursprünglich die türkische, später jedoch hat sie mehrere Modistcationen angenommen, die sie der frühem walachischen Nationaltracht ähnlich machten, und so tragen die ältern Leute noch immer ein langes orientalisches Costüm. Von Zeit zu Zeit sieht man auch noch jetzt Spagniolen in echt türkischer Tracht erscheinen; es sind dieses meistens neue Ankömmlinge aus der Türkei. Der „Chacham" (Rabbiner) der BukaresterSpagniolen-Gemeinde. so wie der Vice-Chacham tragen noch immer das türkische Costüm, obschon sie lange im Lande sind. Die spagniolische Jugend dagegen hat das französische Costüm angenommen, und zwar wird es von ihnen, wie überhaupt in der Walachei, nach der letzten Mode getragen. In dieser Beziehung jedoch machen die beiden Geschlechter eine Ausnahme. Der Jüngling nämlich, der die französische Tracht einmal angenommen hat, trägt sie auch später als Mann, die Mädchen jedoch tragen sich vollkommen europäisch bis zur Hochzeit, später aber als Frauen behalten sie wohl den europäischen Schnitt an den Kleidern, allein sie bedecken sich dann das Haar mit einem rothen Käppchen (Feß), das mit aufgeschuürten kleinen Goldmünzen umgeben ist, ganz wie im Orient, und entstellen sich so das meist schöne Gesicht. Dochnicht nur in dieser Beziehung, sondern auch in vielen andern, bemerkt man zwischen den Männern und Frauen einen großen Abstand rücksichtlich des Bildungsgrades und der europäischen Anschauungsweise. Denn während die Männer durch ihren täglichen Verkehr mit Fremden neue europäische Ideen in sich ausgenommen haben, bleiben die.

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