Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 360)
- Language
- German
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254 die oft in Erstaunen setzt. Man glaube daher ja nicht, was so manche Judenfresser, die immer etwas auszusetzen haben^ behaupten, die da meinen, „die Juden wählen nur solche Handwerke, die wenig Mühe, Beschwerden und Gefahr und viel Gewinn bringen." Auch die practische Heilkunst wird iir denFürstenthümern von Israeliten ansgeübt, nur dürfen leider in der Moldau die jüdischen Aerzte kein einziges Staatsamt bekleiden (gerade so wie im nahen Rußland), was in der Walachei, wie wir später sehen werden, nicht der Fall ist. Oefsentliche Schulen und private Bildungsanstalten gibt es für den Juden in der Moldau leider noch keine einzige, und die große Gemeinde Jassirs hat bisher daran nicht gedacht, für die zahlreiche, dort völlig geistig verwahrloste jüdischeJugend eine Lehranstalt zu errichten! Und statt die heimischen elternlosen Kinder und die jungen Flüchtlinge aus der Fremde väterlich zu überwachen, sie geistig und moralisch heranzubilden, um sie zu nützlichen Menschen zu machen, die später auf eine ehrenhafte Weise sich eine selbstständige Existenz gründen könnten, überließ man sie sich selbst, sah und stehet zu, wie sie sich bon Tag zu Tag mehr verschlechtern und zu den berüchtigten Jaffier „Burlakis" im dasigen „Schulhof" geworden sind, die mit den neapolitanischen Lazzaroni's auf vollkommen gleicher Stufe der Bildung, Moralität und socialen Unabhängigkeit stehen. Obschon man in der Moldau keine ackerbautreibenden Israeliten findet (wie z. B. in der Bukowina), so wohnen doch viele Juden in der Moldau auf dem Lande, und zwar als Dvrsschänker oder Wirthshäuser. Ob dieses ihnen äs jure erlaubt oder nur factisch geduldet ist, weiß ich nicht, doch ist's Thatsache, daß dieses dem Reisenden sehr gut zuStatten kommt, und dadurch das Reisen in der Moldau viel weniger beschwerlich macht, als in der Walachei, wo man in den Dörfern und Feldwirthshäusern keine Juden zu sehen bekommt. (Ich wüßte nicht, daß dieses in der Walachei nicht erlaubt wäre, wahrscheinlich eher, weil unter der verhältnißmäßig geringen Anzahl der Juden, die in der Walachei leben,.