Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 359)
- Language
- German
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253 Ha ja in seinen Volksbildern, die die Kreuzigung darstellen, -eine ähnliche Judengestalt in einem ähnlichen Costüm als Peiniger figurirt. Das hat man von der markirten Tracht! Doch der gesunde Menschenverstand siegte auch hier zum großen Theil über die Bornirtheit. Denn bei alldem findet man fast in allen Städtchen in der Moldau, ja in den -Dörfern viele Juden. Außer Jassi sind's : Votoschani. Gorza, Drogoi, Husch, Roman, Bakau, Verlad, Fokschani, Foltischeni und besonders Gälatz, wo bedeutende jüdische Gemeinden sich vorfinden. Ihre Beschäftigung daselbst, so wie auch in der Hauptstadt Jassi, ist Handel, und zwar entweder Rohproductenhandel oder der Besitz von öffentlichen Manufacturwaaren-Handlungen. deren nicht nur in Jassi, sondern auch in allen genannten Städtchen ganze Reihen dastehen. Es ist in der That oft sehr interessant zu sehen, wie in solchen kleinen Städtchen die jüdischen Ladenbesitzer vor ihren Läden neben den christlichen in Reihe und Glied friedlich da sitzen. Aber auch Handwerker, besonders Schneider, Tischler, Klempner und Glaser, findet man viele unter den Juden; und es ist eigentümlich, wie nicht alle Handwerke von den Juden dort auf gleiche Weife vertreten sind , ja es ist interessant zu sehen, wie in den Fürstentümern, wo ein Zusammenfluß so vieler Nationalitäten ist, die verschiedenen Handwerke von verschiedenen Nationalen mit besonderer Vorliebe gepflegt werden. So z. B. findet man in den beiden Donausürstenthümern keine jüdischen Grob- Schmiede, keine Schlosser (dieses besorgen die Zigeuner, und die bessern Wagenschmiede sind Deutsche und Ungarn), keine Kiersner (diese sind Moldau-Walachen), keine Zimmerleute und Maurer (diese sind Serben), keine oder sehr selten Schuster (diese sind Moldau-Walachen oder Deutsche), dagegen sind dort sehr viele jüdische Schneider, Tischler, Zimmermaler und fast ausschließlich Klempner und Glaser. Alle Dächer der Häuser und die Kuppeln der Kirchen in den Fürstentümern sind von jüdischen Klempnern gedeckt, die dabei mit Beschwerlichkeiten und einer Waghalsigkeit ihr Werk verrichten,