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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1854-01-01 · Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854) · p. Seite 252

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 252 (sequence 358)
Language
German
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252 aber bei weitem nicht in seiner geistigen (wenn auch abstrusen) Entfaltung wie in Polen; denn dazu fehlte ihm daA geistige Princip, nämlich das talmudische und kabbalistische Wissen. Diese partikuläre Richtung der dortigen Juden, corroborirt von Tag zu Tag durch neue Zuschüsse aus Galizien und Rußland, die die moldauisch-jüdischen Urelemente überwucherten und endlich ganz absorbirten, einerseits; anderseits aber der nordische nichtsehr judenfreundliche Hauch, der in dew Regionen der Gesetzgebung und Verwaltung in der Moldau immer stärker zu wehen anfing, verursachte eine offenbare politische wie moralisch-sociale Verschlechterung der Zustände der Juden in der Moldau. Schon die Benennung des Juden in der moldauischere Sprache („^jZani" Jude) im Gegensatz zu ihrer Benennung, in der Walachei („Lvreul" Hebräer) laßt vermuthen, daß man ihnen im erstern Lande weniger wohl will; und so ist's auch. Die gegenwärtige Stellung des moldauischen Bojareir zum dortigen Juden ist ungefähr dieselbe, wie die des pol^ nischen Edelmannes dem polnischen Juden gegenüber, zumal wie sie früher zu sein pflegte *); das heißt, er handelt mit ihm viel, weil er es muß, weil der Jude das vermittelnde Glied zwischen Edelmann und Bauer bildet, und überhaupt der Repräsentant des Handels ist (jener der Moldau freilich viel weniger als in Polen), allein er dünkt sich zu sehr erhaben über ihn, so wie überhaupt über Alles, was Nicht-Bojar ist, um ihn als Mensch zu achten; er sucht ihn mitunter zu übervortheilen, was ihm aber gegenüber dem klügern Juden nicht gelingt, daher kann er ihn nicht lieben. Der Bauer hingegen ist zu sehr bornirt, um nicht ein hui pro Huo zu begehen und den vor ihm dastehenden in der eigentümlich markirteu Tracht gekleideten Juden, meist für denselben Juden zu. halten, der vor 1800 Jahren seinen Heiland gekreuziget hat^ *) Siehe meine oben Mirte „Wanderung" durch Krakau^ Galizien u. s. w.

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