Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 356)
- Language
- German
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250 Dingen. Die Juden befanden sich damals in den Donaufürstenthümern in einer sehr günstigen materiellen, wie politischen Stellung. — So waren die Sachen vor 1829. Nach dem Frieden von Adrianopel jedoch wurde der Suzerainität des Südens, das Protektorat des Nordens hinzugefügt. Ein neues Element trat nun in jenes Staatenleben ein, dem Ausdruck nach bescheiden, bloß negativer Natur, die Uebermacht zu verhindern vorgebend, in der Wirklichkeit ober äußerst activ, von Tag zu Tag mehr um sich greifend, nach ausschließlichen, alleinigen, allmächtigen Einflüssen in den Staatsactionen, wenn nicht nach mehr, strebend und diesen „protegirten" Ländern die heimischen „Wohlthaten" zuzuwenden suchend. Seitdem waren dort die Sachen fürs Allgemeine und auch für die Juden viel anders geworden; denn seitdem hat der Orient dem Occident von Tag zu Tag mehr weichen müssen. Es ist in der That kaum glaublich, welche gewaltige Veränderungen in Tracht, Sitten, Lebensweise, Bildung und Weltanschauung diese wenigen Decennien in den beiden Donaufürstenthümern hervorgebracht haben! Der mächtige Hauch des Nordens regte wohl zuerst die Bildungskeime in jenen Ländern an, allein nach den ewigen Gesetzen des Wachsthums in den physischen wie moralischen Bildungskeimen, wendeten auch diese dem Lichtesich zu, suchten und empfingen es auch zum Theil im Occident. Französische Tracht verdrängte bald die alte walachische; französische Sprache und Bildung verdrängten die griechische Sprache, die früher die spärlichen Brosamen der Bildung daselbst in wenigen bevorzugten Kreisen auszustreuen Pflegte, und in Folge dessen brat die Ausbildung der bisher vernachlässigten rumänischen Nationalsprache, die ja auch wie die französische und besonders die italienische, eine Tochtersprache des alten Romas ist. in den Vordergrund. Mittlerweile entwickelte sich, nach Beseitigung früherer Handelsmonopole und Einführung geregelter Verhältnisse, der wahre unerschöpfliche Reichthum jener, von der Natur so sehr gesegneten Länder, nämlich die Agricultur, auf eine erstaunliche Weise; der große