Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 354)
- Language
- German
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248 diejenigen vom polnisch - deutschen Ritus von denen voiw spanisch-portugiesischen Ritus, wohl unterscheiden. Betrachten wir zuerst die jüdischen Verhältnisse in der Moldau: Die Juden in der Moldau sind zahlreich. Die Hauptstadt Jassi könnte man wohl füglich eine jüdische Stadt nennen; denn das Maskirte, Auffallende des polnisch-jüdischen Costüms und zwar in seiner antiken Vollendung, wie man's jetzt selbst in den großen Städten in Polen und Rußland kaum noch zu sehen bekommt, zeigt sich im Uebermaß irr allen Straßen, Ecken und Winkeln dieser unästhetischen Stadt. Der tägliche Zufluß aus Galizien und besonders aus dem nahen Rußland vergrößert zusehends das Contingentder jüdischen Bevölkerung in Jassi. Dieses massenhafte Zuströmen neuer Ankömmlinge, das zumal in den letzten 20—25 Jahren stattgefunden, seitdem die unabsehbare Reibe von draconischen Gesetzen in Rußland gegen die Juden Schlag auf Schlag erlassen wurden, besonders aber Das jüdische Recrutirungsgesetz für Große und Kinder, wodurch zahlreiche Familien und einzelne Necrutirungsfähige aus fernem Reiche in die Moldau heimlich flüchten mußten, hat den ursprünglichen Charakter der moldauischen Juden, die hier schon früher unter der ehemaligen Türkenherrschaft sich befanden, bedeutend modificirt. Man kann also in Beziehung auf die Juden in der Moldau (wie auch der Walachei) die Periode vor 1829 von der nach 1829 (oder dem Frieden von Adrianopel) unterscheiden. Ich muß mich erklären. Bekanntlich stehen die beiden Donaufürstenthümer seit etwa drei Jahrhunderten unter türkischer Suzerainität, und obschon diese Länder von jeher legislativ - autonomische Rechte besessen haben, so war doch bis zum letzten russischen Kriege» im Jahre 1829, der politische wie sociale Einfluß der Türkei in diesen Fürstenthümern sehr mächtig und tiefgreifend. Alle Schichten der Gesellschaft verspürten mehr oder weniger die Nähe Constantinopels, somit auch die Juden. Daher hat-