Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 349)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-2609282--2337-2609679- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
243 Stolz dürfen wir auf das Wirken unserer Brüder zurückblicken, sehen wir, wie sie eine medicinische Schule in Montpellier gründeten, aus der die heutzutage noch so berühmte dortige Facultät hervorging. Obwohl alle Schriftsteller über dieses glorreiche Factum einig sind, so hat uns doch keiner seine genauen Daten angegeben, noch auseinander gesetzt, wie sich aus dem bescheidenen Beginn successiv Größeres und Größtes entwickelte. Beides versuchen wir in folgenden Zeilen darzustellen. Die Stadt Montpellier scheint als solche im neunten Jahrhundert begonnen zu haben. In dieser Epoche hatten die Juden bereits in mehreren Städten des südlichen Frankreichs, der Provinzen Provence und Languedoc, bekannte Schulen; z. B. in Narbonne und Arles. Obwohl dort religiöse Gegenstände der eigentliche Zweck der Anstalten waren, so wurde doch auch der medicinische Unterricht fleißig und gründlich betrieben. Vorsteher der Schulen in Narbonne war nun im Jahre 1000 der gelehrte Rabbi Abbu, Großvater des gefeierten Moses Hadarschon. Einer seiner Schüler nun ist im Jahre 1025 nach Montpellier gegangen und dort höchst wahrscheinlich der Stifter der medicinischen Schule geworden. Leider hat uns die Geschichte den Namen dieses für uns höchst interessanten Mannes nicht bewahrt, wohl aber den eines seiner medicinischen Werke. Mehrere Schriftsteller des zwölften Jahrhunderts haben es citirt, unter dem Titel: Buch der Medicin; so z. B. Nathan ben Jechiel in Rom (Seler^ruek); Elieser ben Nathan von Mainz (Zeter Uaben p. 122); Salomen ben Jsaac von Trotzes (Oommentaire, ^u^68 cmp. XV. pass. 15). Jedenfalls ist es gewiß, daß dieser anonyme Arzt in Montpellier gelehrt, und seine Schüler mächtig und wesentlich dazu beigetragen, in ihren so rohen christlichen Landsleu-» ten den Wunsch nach wissenschaftlichem Unterrichte hervorzubringen. Es wurde dieser, gleich wie in der salernitanischen Schule, in hebräischer und arabischer Sprache gegeben. So 16*