Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 336)
- Language
- German
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230 schäften. Das Beispiel Maser Djawahs wurde nachgeahmt, und alle jene griechischen Werke, die dieser Gelehrte und die Nestorianer noch nicht übersetzt hatten, wurden nun auf Anregen des Khalifen ins Arabische übertragen; so die Schriften des Galienus, Aristoteles, Ptolemäus, die dann in der neubegründeten Stadt Bagdad zum allgemeinen Gebrauche aufgestellt, und so den jungen Israeliten Sporn und Hülfsnnttel zur Bereicherung ihrer Kenntnisse wurden. So ging auch aus der bald berühmt gewordenen Schule von Bagdad der ausgezeichnete Philosoph und Arzt Jsak Ben Amram hervor. In Damas geboren, kam er frühzeitig nach Bagdad, um dort Medicin zu studiren, in der er sich so ausgezeichnete Kenntnisse erwarb, daß Zaid, Emir in Kairowan, Hauptstadt eines mächtigen Araberstammes in Afrika, ihm sein Vertrauen schenkte und zu seinem Leibärzte ernannte. Folgender Zug wirst ein schönes Licht auf die Rechtlichkeit und Sinnesreinheit dieses Gelehrten. Als Zaid einst erkrankte, so verwarf ein ihm ebenfalls beistehender christlicher Arzt jedes Mittel des jüdischen Leibmedicus auf so schnöde und empörende Art, daß es deutlich erhellte, wie jener diesen verdrängen wollte. Um dem unwürdigenAergerniß ein Ende zu machen, zog sich Ben Amram gänzlich von der Behandlung des Emirs zurück, und um die Ursache gefragt, entgegnen er ihm: Verderblicher ist die Uneinigkeit zweier Aerzte dem Kranken, als ein dreitägiges Fieber; eine Krankheit, von der wahrscheinlich der Afrikanerfürst befallen war. Es starb Ben Amram im Jahre 83, der Hegira 799, und hinter-ließ unter andern guten Werken auch ein vorzügliches über die Behandlung der Vergiftungen. Noch heut zu Tage citiren die Araber mit Bewunderung ihren Khalifen Harun Al-Raschid. Es war die Negierung dieses Monarchen die günstigste für die Entfaltung jeder besseren geistigen Thätigkeit; es wimmelte sein Hof von Gelehrten und Dichtern, aus den fernsten Ländern herbeigerufen, und so glänzend war der Ruf dieses Monarchen, daß