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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1854-01-01 · Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854) · p. Seite 210

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 210 (sequence 316)
Language
German
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210 halten werden, viel und Mannigfaches muß es lernen, damit es eine breite Grundlage gewinne. Doch wie sah es mit der Durchführung dieser löblichen Grundsätze aus?! — Kaum hatte die Denkkraft in dem Knaben sich zu regen begonnen, als sich der Vater angelegen sein ließ, geistreiche Männer in seinem Hause zu versammeln und eine intelligente Atmosphäre um das Kind zu bilden, daß dieses stets nur fertige Urtheile, reise Besprechungen anhöre. In Gegenwart des Knaben ward philosopbirt, Charaktere wurden besprochen und großartige Sentenzen im Munde geführt. Auf Landpartien und Spaziergängen war von den Naturschönbeiten, dem Geist der Landschaften die Rede, so daß nach Carls Meinung Bildung und Wissenschaft von dem jungen Kinde gleichsam eingeathmet würden. Ebenso klug verfuhr der vorsichtige Kaufmann bei der Wahl des Lehrpersonals. — Der Kleine war kaum an der Zahnperiode angelangt, als ihm eine französische Bonne (?) beigegeben ward, damit erneben der deutschen, die doch ohnehin seine Mutter-Sprache war, auch noch die fremde früh und mühelos erlerne. — Nun ist wohl nicht zu leugnen, daß die Sprache das wichtigste und bedeutsamste Bildungsmittel sei. — Aber Sprache im Sinne der Pädagogik ist nicht blos Gabe der Mittheilung, Mittel der Verständigung, wobei es gleichgültig wäre, in welcher Zunge man sich äußert, wenn man nur verstanden wird. Sprechen ist vielmehr eine dem Verstände und dessen Entwickelung unentbehrliche Verrichtung, die darin besteht, daß die flüchtige Vorstellung durch den Laut gefesselt, und auf diese Weise die Verbindung zu Gedanken möglich gemacht werde. Die Mannigfaltigkeit der Sprachen aber ist nicht blos eine Verschiedenheit der Laute, als vielmehr eine der Eigentümlichkeit der Völker entsprechende Verschiedenheit der Vorstellungsweisen und der Art, die Dinge aufzufassen. Die verschiedenen Laute bezeichnen wohl, aber sie bedeuten nicht Dasselbe. Es ist mit Nichten einerlei, z. B. ob sich dem Kinde die Schlange schlingt, wie im Deutschen, oder das serpenb kriecht, wie im Romanischen, oder der Nachaschzischt, wie

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