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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1854-01-01 · Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854) · p. Seite 209

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 209 (sequence 315)
Language
German
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209 Deine Natur ist ein langweiliges Einerlei. Liebe ist Raserei, Tugend nur Schwärmerei, Religionen sind Vogelscheuchen, anfgerichtet, um die lustigen Vögel vom Felde des Genusses sern zu halten. So bildete sich in Carl ein „nichts durchbohrendes Gefühl", der starre blutleere Jndifferentismns, dessen Verstand nur von der Ziffer beherrscht, von allen Beziehungen zu Gemüth und Phantasie abgeschnitten ist, und, wie sich begreift, ebenfalls ein krankhafter genannt werden muß. — Ja! selbst als Kaufmann bewährte Carl nur eine altherkömmliche Praktik, gemeine Routine und keineswegs jene klare Einsicht in die Grundlagen der Industrie, die erst dem Handel seine moralische Stellung anweisen, und den Kaufmann über die Schranken des Egoismus hinaus auf den Gedanken einer allgemeinen Menschheit zu führen vermögen. Ihm fehlte alle theoretische Grundlage, und die Engherzigkeit der Ansichten gesellre sich zu jenem handelsherrlichen Hochmuthe, der alle rationelle Fortbildung für nutzlose Phantasterei hält. Carl fand seine Rechnung dabei, Jude zu bleiben. — Der Reichthnm der ihm zngedachten Braut hatte für den Glauben entschieden. Da ihm nun ein Sohn geboren ward, faßte er den Vorsatz, demselben eine recht aufgeklärte Erziehung zu geben, und beschäftigte sich vor Allem damit, einen recht fremdartig klingenden Namen, der weder an den Juden noch an den Bürger erinnern sollte, ausfindig zu machen. —- In der That erkennt der Schullehrer den Geist der Eltern oft schon an der Benennung der Kinder. Sentimentalität, Schwung, Lieblingslectüre,Geschmack und Abgeschmacktheit verrathen sich zuweilen in den bloßen Namen. — Carl fand es angemessen sein Kind Anastasius zu nennen, und entwarf sich einen ganz eigenen Erziehungsplan. Seine Ansichten waren allerdings richtig, sobald nur der Verstand des Verständigen und nicht auch das stille Gemülh dabei zu entscheiden hatte. So sagte sich Carl mit Recht: Mein Kind darf weder Spielzeug noch Haustyrann sein; leiblich wie geistig soll es zur Kraftanstrengung ange- 14

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