Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 297)
- Language
- German
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191 Als integrirender Theil des Gottesdienstes für die Ingend müßten aber jedenfalls religiöse Vorträge sein, denen sich Psalmen in der Ursprache oder auch deutsche Lieder anschließen könnten. Wäre der Gottesdienst aber am Sabbath in einer Nach- Mittagsstunde, so wäre statt des Mussaf das Minchagebet und wie jetzt das Vorlesen aus der Thora rc. Sollte es aber unmöglich sein, daß der Gottesdienst am Sabbath stattfinde, dann glaube ich, liegt es im Interesse des Judenthums, und folgt man nur dem Gesetze der Notwendigkeit, wenn derselbe an einem anderen Tage gehalten wird. Ich glaube, daß das Chukos hagoi und die Furcht vor dem porez g-eder niedergehalten werden müssen von der offenbaren Ueberzeugung, daß Gesetz und Recht und Kenntniß alles Ceremonials und religiösen Lebens unter den Juden in Verlust geräth שלא תשתכח תורה מישראל. Es ist uns Esra darin vorangegangen, wie der Talmud erzählt, der nach einer, wie es heißt, von Moses bereits getroffenen Einrichtung anordnete, daß am Montag und Donnerstag ein feierlicherer Gottesdienst stattfinde und ein Stück aus der Thora gelesen werde. In neuererZeit ist auch in Teschen, das einen orthodoxen Rabbiner an der Spitze hat, am Sonntag ein Gottesdienst mit Predigt eingerichtet worden, um das religiöse Bedürfmß Derjenigen zu befriedigen, die am Samstag der Entfernung wegen nicht kommen können. Meines Wissens hat auch der Gottesdienst, der an Sonntagenden jüdischen Handwerkslehrlingen gehalten wird, dem jüdisch-religiösen Gefühle derselben keinen Abbruch ge- Lhan. vielmehr denke ich, ist das noch das einzige Band, das die Lehrlinge, von denen es gilt: Sie vermischten sich unter den Völkern und lernten ihre Sitten, mit ihrem Glauben zusammenhält. Für den Fall also, daß der Gottesdienst für die studirende Jugend an einem Wochentage abgehalten würde, so müßte er freilich anders sein, wie am Sabbath. Da es schwer anzunehmen ist, daß er vor 9 Uhr Mor-