Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 298)
- Language
- German
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192 gens stattstnden könnte und von da an weiter das Morgengebei nicht mehr verrichtet werden kann, auch die Tefillin nicht gelegt werden dürfen, so könnte ohne Rücksicht auf die Stunden des Tages der Gottesdienst wie bei den Handwerkslehrlingen abgehalten werden; nur könnten noch Psalmen und manche andere Gebetstücke hinzukommen. Sagen doch schon unsere alten Weisen: „ Es wäre gut, wenn der Mensch den ganzen Tag beten würde", und Hanna betete zu einer Zeit, wo sie Eli für eine Betrunkene hielt. Bei dem religiösen Vortrage wäre aber allerdings so viel als möglich Rücksicht auf die laufende Parascha zu nehmen. Noch hätte ich in Betreff des Zeitausmaßes zu bemerken, daß der Gottesdienst nicht länger als Eine Stunde dauern sollte. „Besser wenig mit Andacht, als viel ohne Andacht." Dies ist in Kurzem gefaßt die Ansicht eines Mannes, der mit Leib und Seele seinem Volke und Glauben anhängt; es mögen die Ansichten verfehlt sein, aber daß der religiöse Zustand unserer Jugend im Argen ist, und daß es notwendig wäre, dem abzuhelfen, ist außer aller Frage. Mögen diese Ansichten die Anregung zur Lösung gegeben haben. Der Mann, der an der Spitze der religiösen Angelegenheiten stehet, dem das Wohl seines Volkes, der Glaube der Väter so nahe am Herzen liegt, der sein ganzes Leben und Streben dieser Aufgabe geweiht hat, Herr Prediger Mannheimer, wird gewiß das Seinige zur Lösung dieser Frage beitragen. Derselbe wird sich auch noch mit Freuden erinnern, mit welcher Liebe die Studirenden der ehemaligen Philosophie, die verpflichtet waren, in den Tempel zu gehen (und daher der Gottesdienst für Studirende nicht eine ganz neue Idee ist), seine Predigten anhörten.