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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1854-01-01 · Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854) · p. Seite 186

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 186 (sequence 293)
Language
German
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186 damaligen Kunst entsprach, finden wir Instrumentalmusik schon in der Stiftshütte. Es heißt: „An Euren Freudentagen , Festtagen und Neumonden sollt ihr in Trompeten blasen. Des Schofars Klang durchzog bekanntlich das Land bei jeder feierlichen Gelegenheit. Warum gehet uns beim Gottesdienste dieses wahrhaft erhebende Moment ab? — Man wende uns nicht ein: wer ins Gotteshaus gehen will, gehet ohnedies. Wir sind es zunächst der Ehre Gottes schuldig, daß wir unfern Gottesdienst so viel als möglich verherrlichen. Wir sagen: Dir gebührt die Größe, der Ruhm und die Herrlichkeit rc., und verherrlichen unsere Feste mehr als die Feste Gottes. Es ist dies auch bloße Selbsttäuschung zu glauben, daß dasAeußere nichts zur Hebung der Andacht rc. beiträgt. Seit Jahren wird an unserem Gottesdienste reformirt, selbst die kleinste orthodoxeste Gemeinde strebt das Gotteshaus nach Außen frei nach Innen würdig umzugestalten; wozu alle Mühe, wenn man nicht glauben würde, daß man den Bedürfnissen Nachkommen müsse. Instrumentalmusik im Gotteshause ist übrigens nicht so etwas ganz Neues. Schreiber dieses kann sich erinnern, wie in seiner Geburtsstadt, einer der frömmsten Gemeinden des Kaiserstaates, das „Lecho Dodi" am Freitag Abend unter Begleitung jüdischer Musikanten zur Sabbathfeieristgesungen worden. Auch der hiesige Tempel ist unter Musikbegleitung eingeweiht worden. Prag, das doch gewiß eine orthodoxe Gemeinde ist. an deren Spitze Rappaport steht,hat seit Jahren eine Orgel. Auch Pest unter der Leitung des conservativen Rabbiners Schwab hat im Gotteshause jetzt eine Orgel und deutsche Lieder. Was läßt sich aber gegen Instrumentalmusik am Sabbath selber einwenden, wenn Nicktisraeliten spielen. „0tiuko88 ka§oi" — Nachahmung fremder Gebräuche — ist da nicht vorhanden, da man das von uns abgelernt hat, und oben angeführte Beispiele dagegen zeugen. Es wäre doch auch wirklich höchst sonderbar, wenn wir frömmer als Moses, Da-

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