Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 292)
- Language
- German
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185 Instrumentalmusik zuerst auf heiligem Boden heimisch war, VS die schönsten Lieder, die je erklungen, gesungen wurden, dieselbe jetzt in den Gotteshäusern fehlt? Wer kennt nicht die Bedeutung der Musik? — Musik st die Sprache die alle Völker verstehen, weil es die Sprache des Herzens ist. Mögen die Geister noch so verschiedenartig sein, das menschliche Herz in seinen Höhen wie in seinen Liefen bleibt sich gleich. Der tiefste Kummer, wie die höchste aufjubelnde Freude finden in der Musik Ausdruck. Wo das Wort die Wonne nicht mehr bezeichnen kann, da stellt sich der Gesang ein, und wo ist ein Herz, das durch Musik nicht zart gestimmt wird? — Rathet doch der Prophet Jesaias dem mächtigen Tyrus, dem er den Untergang verkündigt: „Nimm die Harfe, durchziehe die Stadt, spiele schön, singe viel, damit man deiner gedenke." — Das Wunder Apollos, des biblischen Jubal, daß die Steine sich fügten, es wiederholt sich noch jetzt. Die Steinherzen werden durch Musik gerührt und bewegt. Welchen Einfluß die Musik ans ein zerstörtes, verstörtes Gemüth ausübt, zeigt uns die Bibel an Saul, den die Harfentöne des lieblichen Sängers von der düstern Stimmung befreien. Am bewährtesten zeigt sich die Kraft der Musik im Gotteshause. Jeder Ton und Klang ist ein Ruf aus den himmlischen Höhen, wo die göttlichen Heerschaaren uns zurufen und uns jene Töne in Erinnerung bringen, wie sie von den lichten Engeln erklingen. Man gehe nur in eine Kirche und höre die Orgel. Wir glauben, es dürsten nur Wenige sein, die nicht von einem feierlichen Ernste ergriffen werden, wenn sie auch mit den alltäglichsten Gedanken hineingetreten sind. Wie erst, wenn diese Musik die Gesänge begleitete, die uns heilig find, wie mächtig müßten da die Gemüther erfaßt werden, wie gehoben und gekrästigt, zugleich aber auch wie gedemüthigt vor Gott würden da die Herzen sein? Abgesehen von David, der ein vollständiges Orchester zur Instrumentalbegleitung einrichtete, das allen Regeln der