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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1854-01-01 · Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854) · p. Seite 182

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 182 (sequence 289)
Language
German
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182 Die neue Zeit hat Vieles von den alten Gebrauches abgeschafft. Ohne die Sittlichkeit verletzen zu wollen, viel^ mehr Das religiöse Bedürfniß zu befriedigen, gestattet sie den Frauen einen freieren Einblick in das Gotteshaus und sucht die Mädchen in das Gotteshaus zu führen; so möge denn auch in dieser Beziehung das Vorurtheil schwinden nnd möge es Den Frauen gestattet sein, eine Pflicht zu erfüllen, die so sehr mit ihrem ganzen Wesen übereinstimmt: Die Trauernden zu trösten, die Gebeugten auszurichten und be^ dem letzten Gang im Leben anwesend zu sein. Wir brauchen nicht zu versichern, daß wir nicht im Entferntesten daran denken, der Sittenlosigkeit eine Thüre öffnen zu wollen. Es ist ein alter Ruhm unseres Volkes: „Die Töchter Israels sind rein und keusch." Unsere alten Weisen sagenr „Wegen der frommen Frauen ist Israel aus egyptischer Sclaverei erlöst und wegen der frommen Frauen wird es erlöst: werden. " Israel kann sich rühmen, daß es nie in demselben geweihte Hetären gab. Es hielt sich treu an den Satz: In Israels Töchtern soll keine sein, die sich der Unzucht weiht. Hoffen wir, daß auch die späteste Zeit an dem Ausspruche Nichts werde zu mäkeln haben, daß die Mütter in Israel ihre Töchter in solcher Sittenreinheit und Keuschheit erziehen werden, wie sie erzogen worden sind. — Bevor wir schließen, erlauben wir uns noch ein Wortr Jedes Volk hat seine Sagen und je nachdem die Phantasie mehr oder weniger rege ist, je nachdem find die Sagen mannigfaltiger und üppiger. Ausgezeichnet in dieser Beziehung sind die Völker der alten Zeit, insbesondere die deA Morgenlandes. Ihre Sagen klingen nach, wie Töne auö einer andern bessern Welt. Es fassen manche dieser Sagen einen solchen poetischen Schatz in sich, wie er nur in dem kindlichen Gemüthe liegt. Und die Völker jener Zeit lebten in der Jugend des Menschengeschlechtes. Es ist aber auch nicht abzusprechen, daß das Kindische eben so oft wie das Kindliche in Sagen waltet. Wir, die Erben der alten Zeit, sollen nur das als Erbschaft an- und ausnehmen, was irgend-

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