Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 290)
- Language
- German
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183 wie Werth und Bedeutung hat. Thöricht wäre es aber, die Aus- und Mißgeburten im Spiritus der Erinnerung aufzubewahren und als Göttergestalten der alten Zeit zu preisen. Was zwerghast und verkrüppelt ist, bleibt es für alle Zeiten, und der Dornstrauch ist um nichts besser, wenn er auch im fürstlichen Lustgarten groß gewachsen ist. Wäre es doch der größte Fluch, wenn die Jahrhunderte, die nach uns kämen, allen Unsinn und Aberwitz der heutigen Zeit bewahren und verehren müßten. — Aber selbst das, was als Poesie Berechtigung hat, darf sich nicht immer im praktischen Leben Geltung verschaffen; es darf der Aberglaube nie und nimmer als beseligender Glaube sein und gelten wollen. Es haben manche der Gebräuche und Sagen beim Juden, die wir angeführt, allerdings einen poetischen Werth, und es dürfte sich noch ein Dichter finden, der sie durch sein Wort Verklärt. Hat doch Schiller die nadowessischenTrauergebräuche verewigt. Nie und nimmer dürfen diese aber zum Glauben, zur Religion werden. Diejenigen Gebrauche hingegen, die mit unserm ganzen Denken und Fühlen im Widerspruche stehen und nicht in der Religion begründet sind, müßten abgeschafft werden. Das ist die Ausgabe der Lehrer in Israel: die Dinge selber kennen zu lernen und das Volk darüber Zu belehren. Mit dem Patriarchen Jacob sprechen wir: „Schaffet weg die fremden Götter aus Eurer Mitte und reiniget Euch."