Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 288)
- Language
- German
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181 Israel ward alles äußeren Einflusses, aller Schätze beraubt, so wollte es den Schatz, den ihm Niemand streitig machen konnte, wahren. Sittenreinheit, und diese prägt sich zunächst am Weibe aus. Man trachtete daherdas weibliche Geschlecht von dem öffentlichen Leben, wo der Umgang mit dem andern Geschlechte größtentheils Bedingung ist, auszuschließen. Es wird das der תקון die große Einrich- Lung" genannt. Man fand dafür in der Schrift einen Beleg: ״die wahre Herrlichkeit der Königstochter ist im Innern des Hauses." Wie Schiller das mit andern Worten ausdrückt: ״Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau." — R. Gerson, ״das Licht der Vertriebenen," hat daher Denjenigen mit dem Banne belegt, vermehr als Eine Frau heirath et, und schaffte so die Vielweiberei ab. Daher kam es, daß man selbst in Synagogen den Frauen eine besondere Gallerie anwies, die gewöhnlich so vergittert ist, daß man kaum die Frauengesichter erkennen kann; Mädchen aber wurden vom gottesdienstlichen Leben ganz ausgeschlossen. Auch bei festlichen und traurigen Gelegenheiten, bei Hochzeiten, wenn gespeist wird, oder in NN2V, mußten die Männer getrennt von den Frauen sitzen. Zum Theil durch diese Unterordnung, zum Theil durch die Erfahrung, daß das Weib, wenn sie das ist, was sie sein soll, das Vollendetste der Schöpfung ist, da sie eben ״aus edlerem Stoffe geschaffen ist"; daß aber auch in dem Weibe alle bösen Geister sich vereinigen können: hielt man letztere Ansicht fest und nahm die bösen Geister zumeist für weibliche Geschöpfe. — Der Volkswitz meint daher auch, daß man deshalb bei Trauungen die N21N2, Ehecontraet, chaldäisch liest (in neuester Zeit wird in Berlin, Magdeburg rc. die K’suba deutsch gelesen), weil das, der Sage nach, die Sprache ist, die die bösen Geister nicht verstehen. Wüßte das Weib, daß der Mann in der X'8uba verspricht, der Gattin Ihren Bedarf zu geben, und müßte ״er den Mantel vom Leibe" verkaufen, es würde ihre Forderungen noch höher Hellen.