Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 287)
- Language
- German
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180 anzustimmen. Jesta's Tochter (diese jüdische Iphigenie, die heldenmüthiger als die griechische ist. Diese fällt, um die Götter den Griechen geneigt zu machen. Jeftas Tochter geht irr den Tod, um ein übereilt ausgesprochenes Wort ihres Vaters, der den Sieg bereits errungen, in Erfüllung zu bringen) zieht unglücklicher Weise ihrem Vater entgegen, und David wird nach seinem Siege über Goliath von den Frauen freudig begrüßt. Ebenso geht es aus vielen Stellen hervor, daß die Frauen es waren, die sich bei Trauernden einfanden und die Klagelieder anstimmten. Darum spricht auch der Prophet Jeremia: „Hört ihr Frauen Gottes Wort, fasset es wohl ins Ohr! Unterrichtet eure Töchter in Klageliedern und Eine lehre es der Andern." Und wer ist auch mehr geeignet die Freudigkeit anzure« gen und zu erhalten, als das Weib? Wer hat mehr das Verständniß, den angebornen Tact, der Freude Schranken und Ziel zu setzen, wie weit man gehen darf, ohne in Selbsterniedrigung zu versinken? Wer verstehet es aber auch besser, so tief in die Saiten des Herzens zu greifen, daß der ganze Resonanzboden des Gemüthes erschüttert, ohne daß er gebrochen wird, als das Weib. — Das weinende Weib bleibt immer „die Rose, auf der der Thautropfen zittert." Sie stimmt trübe, ohne daß Trübsinn und Verstörung eintreten, wie man das oft bei den wilden Ausbrüchen des Tobens und Rasens bei Sterbesällen sehen kann. Es soll auch die Trauer nicht wild und ungeberdig sein, würdevoll und ruhig sollen wir das göttliche Geschick ertragen und nicht murren. Es ist der Moment am allerwenigsten geeignet, die Gnade und Gerechtigkeit Gottes in Frage zu stellen, wo wir eben seine Gnade und Barmherzigkeit in Anspruch nehmen, daß er den Dahingeschiedenen in sein lichtes Himmelreich eingehen lasse. — Mit der Zeit hat sich die Stellung der Frauen, von der wir oben sprachen, geändert. Die Zeiten der Trübniß, und des Elends haben auch diese Verhältnisse getrübt.