Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 285)
- Language
- German
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178 Abbild der Seele, die noch zurückkehrt in die früher bewohnten Räume. Das Licht spielt überhaupt als Abbild der Seele ״ein Licht Gottes ist die Seele des Menschen" — eine große Rolle. Im Heiligthum so wie in unseren Gotteshäufern muß das ewige Licht brennen. Bei der Beschneidung, zur Trauung und während des Todeskampfes werden Lichter angezündet, und nach dem Tode noch leuchtet das Licht. — Bei dem Lichte befindet fich auch ein Glas mit Wasser und ein Handtuch, wo die Seele sich von Schmutz und Flecken reinigen kann. — Da aber bekanntlich das Wasser durch das lange Stehen verdünstet, so gibt es genug abergläubische Leute, die da meinen, das Wasser sei deshalb weniger geworden, weil die Seele davon Gebrauch gemacht hat. Die Trauergebräuche, wie sie שבעה und שלשים (die ersten 7 und 30 Tage, wo schwere Trauer gehalten wird) stattfinden, dienen gewiß nicht dazu, das Gemüth zu heben und zu kräftigen, und die neue Zeit, die in diesem Punkte, aus Furcht, selten mit der alten brechen will, bringt sonderbare Erscheinungen zum Vorscheine. Der Traueranzug mit den schwarzen Glacehandschuhen scheint manchmal eher den Lebenden zu gelten, als der Erinnerung an den Todten. Nicht übergehen wollen wir den allerdings schönen Gebrauch, daß Kinder und die nächsten Anverwandten den Todten vor der Beerdigung, wo er vor der Einkleidung ganz rein gewaschen wird, um vor Gott rein zu erscheinen, um Verzeihung bitten, wenn sie ihn im Leben wissentlich oder unwissentlich beleidigt haben. Dasselbe geschieht auch, nachdem der Verstorbene in das Grab gelegt worden ist, wo Einer aus der frommen Brüderschaft (חברה קדישא) denselben im Namen der Nachbarschaft, der fernen Anverwandten, der Freunde, des Gemeindevorstandes und der gesammten Gemeinde um Verzeihung bittet. Dabei jedoch wird bemerkt, daß alle Diese ihm die חברותה kündigen, sie wollen keine ״Gemeinschaft" mehr mit ihm haben. Der Tod gehet zu den Todten ein; die Lebenden aber wollen ihres Lebens Ziel weiter verfolgen. Bei der Heimkehr vom Grabe reißt