Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 279)
- Language
- German
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172 Neuzeit haben. Der Neapolitaner nennt es mal occhio und gebraucht als Schutzmittel dagegen, den Zeige- und den kleiuen Finger auszustrecken, die übrigen Finger aber geschlossen zu halten. Es werden dagegen die wunderlichsten sympathetischen Mittel gebraucht, die einem Hexenspuk ähnlich sind. Als besonderes Schutzmittel ist empfohlen, rothe Bänder um den Hals und um die Hände des Kindes zu geben. Die Furcht vor dem ״Benehmen", daß nämlich kein böser Geist der Hölle das Kind tobte, dauert vorzüglich die erste Zeit. Daher wird bei neugebornen Knaben in der Nacht vor der Beschneidung im Hause der Wöchnerin ״gelernt", um die bösen Geister, die in dieser Nacht besonders ihr Spiel treiben (erinnernd anLxoä. 4, 25.), zu verscheuchen. Das Messer, womit die Operation vorgenommen wird, legt man der Wöchnerin zu Häupten. Am ersten Freitag Abend nach der Geburt versammeln sich auch deshalb Leute, denen gewöhnlich kalte Speisen angeboten werden, die ein Gebet verrichten. Diese Vorfeier der Beschneidung heißt im Ganzen tDf (ein männliches Kind). Dabei hat sich der Mißbrauch eingestellt, daß auf dem Lande, wo die Räumlichkeiten nicht sehr groß sind, durch die vielen Besuche am späten Abend, durch das Geräusch beim Gespräche, der Wöchnerin mehr geschadet wird, als das Gebet möglicher Weise nützen kann. Bei der Beschneidung, wo sich auch der Prophet Elia einfindet, für den der Sessel bereitet wird, glaubt man letztere Gefahr überstanden zu haben, weil der Prophet, der im ganzen Leben des Israeliten eine große Rolle spielt, nun das Kind beschützt und bewacht. — Noch sei erwähnt der Aberglaube in Betreff der Ertheilung des Namens. Wir verweisen in dieser Beziehung auf einen Aufsatz von Rabbiner Schott im ״jüdischen Volksblatte". Man strebt immer danach, dem Kinde den Namen irgendeines verstorbenen Anverwandten zu geben, und doch finden wir nicht, daß die Enkel, Urenkel rc. Abrahams und Isaaks die Namen ihrer Großväter trugen» Fromme Seelen sträuben sich, das Kind beim deutschen Namen zu nennen und doch gibt es unter uns Namen aus allen Spra-