Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 278)
- Language
- German
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171 Sveise und Trank rc. sickerte doch so Manches von derAußenweit durch, und wie das Wasser den Geschmack hat, je nach dem Gesteine, über das es hinrollt, so nahmen auch die Zuden Sitten und Gebräuche der Völker an, unter denen sie lebten, und wahrten sie treu und redlich; öfters treuer und redlicher als die eigenen. Wenn Einer dann ihnen diese Hausgötter entziehen will, wehren und sträuben sie sich wie die Stammmutter Rachel. Freilich sind da oft Diejenigen, die das Volk leiten sollten, selber im Jrrthum. Selbst der Talmud, den sie doch sonst hoch verehren, ist ihnen da, wo er von persischen, griechischen, römischen Dingen spricht, unbekanntes Land. Die Arbeiten eines Zunz, Rappaport, Sachs rc. kennen sie öfters vomHörensagen. Sie halten Alles was nicht ins jüdische Gebiet gehört, als etwas Ueberflüssiges, und die ganze Größe des Judenthums selber bestehet nach ihrer Meinung in dem, was erlaubt und was nicht erlaubt zu essen ist. Und doch ist es das nicht allein, weshalb die andern Völker sprechen sollten: ״Es ist das ein weises und vernünftiges Volk." — Doch wir Haben noch etwas an dem Täselchen mit den geheimnißvollen Zeichen und Inschriften zu erklären. Außer dem Psalme, Spruch und Zeichen finden sich noch darauf die drei Worte: Adam, Eva, Lilit. Die Sage von der Lilit ist uralt und findet sich zuerst bei den Indiern (vergl. Hammer, Rosenöl). Wir können sie hier nicht näher bezeichnen; sie ist kurzgefaßt die böse Begierde. Der Prophet Jesaias spricht von ihr (34. 14). Aber wenn auch der gottbegeisterte Prophet diesen Namen als poetisches Bild gebraucht, so stehet der Glaube daran mit dem reinen Judenthume ganz im Widerspruch, und es ist dies der schnödeste Aberglaube, den das Volk, dessen Beruf es ist, ״ein priesterliches und heiliges Volk" zu sein, treiben kann. Außer der Katze, die wie Fausts Hund feurige Kreise um das neugeborne Kind ziehet, um es zu verderben, werden fromme jüdische Mütter noch von der Furcht geplagt, daß man dem Kinde ein böses Auge (עין־ הרע) zuwendet. Es ist das ein Aberglaube, den auch manche Völker der