Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 277)
- Language
- German
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170 Vorhinein manche unserer Leser um Verzeihung, wenn wir da eine liebgewonnene Täuschung zerstören. Der ״Schild Davids", dem der fromme Jude sehr viel Vertrauen schenkt und sich durch denselben gleichsam gerüstet und gewappnet gegen jeden feindlichen An- und Uebergriff geschützt glaubt, scheint ganz indischen Ursprungs zu sein. Bekanntlich wurden Wischnu und Schiwa, der Gott des Guten und des Bösen, bei Den Indiern in zwei Dreiecken dargestellt, und zwar der erste in einem Dreiecke mit der Spitze nach oben, die in einer aufrechtstehenden Linie endete — Es sollte das nämlich andeuten die Kraft des Guten, die nach oben strebt, verbunden mit der Idee, wie sie später bei den Egyptern in den Anubit ausgedrückt ist. — Der Gott des Bösen hingegen hatte als Symbol ein Dreieck mit der Spitze nach unten als Zeichen der Kraft, die immer das Böse will und nach unten strebt. — Es gab aber Secten, die beide mit einander vereinigten und die zwei Dreiecke in einander und mit einander verschlangen, und so entstand das Tetragramm (A), unser vielgeheiligter ״Schild Davids" (vergl. Bähr; Kreuzer's Symbolik; Röth, Religion). — Das Ju- Denthum, das von Uranfang den Monotheismus lehrte und Gott als den Schöpfer des Lichtes und der Finsterniß, des Guten und des Bösen betrachtete, fand in dem Zeichen der verschlungenen Dreiecke das Bild der eigenen Anschauung Gottes. Hier ist ein Beispiel von den vielen, wie das Judenthum ganz fremde Elemente in sich aufnahm. Es ist nur zu bedauern, während andere Völker dieHauptlehren und Grundsätze dem Judenthume entlehnten und dadurch civilisirte Völfer wurden, haben wir von andern Völkern statt der Frucht Des Lebens das leere rauschende Blatterwerk des Ceremonialwesens als unfern Antheil erkoren. Mancher fromme Jude würde sich höchlichst verwundern, wie oft er בחקת הגוי jtmi)בדרכי האמרי gehet, (in den Wegen des Aberglaubens), Denen er doch sonst im Leben ausweichen will. Trotz aller Abgeschlossenheit und Absonderung von andern Völkern durch