Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 269)
- Language
- German
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162 In derselben Weise wie sie aus dem deutschen „warum" mit Umlaut „wurüm" gemacht, sprachen sie das hebräische „baruch" ganz consequent „burüch". Bereits lehrten die Rabbiner im Talmud, daß wer das Hebräische nicht richtig ausspricht, weder vorbeten, noch auch als Priester öffentlich den Segen ertheilen dürfe. Und haben wir uns, Dank der Bildung neuerer Zeit, der ächten deutschen Aussprache beflissen, warum nicht auch in der hebräischen, unsrer heiligen, von unseren Voreltern seit Jahrtausenden angeerbten Religionssprache? Dann hat doch das Hebräische, der richtigen Aussprache zufolge, so viel musikalischen Klang und kunstgemäßen Tonfall, daß für die Tonsetzung, und daher für die synagogalen Gesangsmelodien ein erwünschter Vorsprung gewonnen sein wird. Und hat einmal erst die Synagoge den Anfang gemacht, so wird die richtige Aussprache des Hebräischen allmälig vermittelst der Jugendschulen den Weg bis zu den untersten Klassen des Volkes finden. Drittens. Möge der Grundsatz festgestellt werden: keine Andacht ohne Predigt. Die Predigt, feit Jahrzehenten bereits allgemein in den deutschen Tempeln eingeführt, ist ein wesentlicher Bestandteil der öffentlichen Andacht geworden, so daß sie nicht ohne bedeutenden Nachtheil für den Besuch des Tempels wegbleiben kann. Auch dürfen die ohnedem äußerst wenigen Gelegenheiten der Zusammenkünfte der Gemeinden nicht vernachlässiget werden, um ihnen die Lehren der Moral und Religion, angeknüpft an Aussprüche der heiligen Schrift, erklärend und verdeutlichend ans Herz zu legen. An jedem Sabbath und Festtag soll also die Predigt, gleich der Andacht, feste Norm sein. Um aber bei dem, freilich üblen Umstande, daß selbst in den größeren Gemeinden immer nur Ein Prediger fungirt, während in den kleineren nicht einmal ein Schullehrer zumSubstituiren sich findet, doch das öftere Predigen zu ermöglichen, haben wir folgende drei Mittel in Vorschlag zu bringen: u) Dem Prediger dürfen keine Gemeindeangelegenheiten zur Besorgung aufgebürdet werden; sein Beruf ist nur Lehren und Ermahnen, alles Uebrige ist