Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 268)
- Language
- German
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16! mit ausgehaucht hatte? Solche Männer hatten wir in jener schönen Vergangenheit; und wer kennt ihre Poesien nicht? Will unsre deutsch-gebildete Jugend sich einen Begriff von diesen machen, so brauchen wir nur den Namen Schiller zu nennen. Dieselbe Idealität, derselbe sanftfließende Strom der Rede, derselbe hohe Adlerflug der Gedanken, und noch weit mehr. Arabischer Schmelz. Rhythmus und Klang find da mit der Kraft und Kürze vereinigt, die nur der hebräischen Sprache eigen, und durch den heiligsten Inhalt in Eine Höhe gehoben, welche je ein Dichter erreichen kann. Warum also, fragen wir, diese musterhaften Poesien vom Ritus ausschließen? während die der deutschen Schule zugehörenden doch gar nichts von Kunstpoesie enthalten. Mögen die Eommentare alle Legenden der Welt aus ihnen herauslesen, so sind sie wohl ergiebiger Stoff für Literaturforscher; aber Volkslieder sind sie nicht. Ein Gesang, ein Gebetstück, das eines Commentares bedarf, eignet sich für den Volksgebrauch nicht, am wenigsten zur Erbauung, wo das Gemüth durch sanfte, Jedermann leicht verständliche Worte gehoben werden Muß. Wir verlangen diese Aenderung als zeitgemäß, weil Diejenigen, welche das Hebräische wissenschaftlich erlernt haben, den Unterschied wohl kennen, und auch in der Synagoge die Kunstpoeste nicht vermissen wollen, um so weniger, als wir diese in so hohem Grade und in so reichem Maße besitzen. Zweitens. Wolle man vorläufig in der Synagoge wenig tens die echte Aussprach-e des Hebräischen dem Prediger und Vorbeter empfehlen. Das ist ebenfalls etwas Zeit- und sogar Religionsgemäßes. Sollten wir denn eine Aussprache noch immer beibehalten, welche nichts anderes als eine jargonartige Verzerrung der ächten, und nur in Deutschland zu hören ist? Nicht blos im ganzen Orient und in Afrika, sondern schon im österreichischen Italien kann man die echten Töne des Hebräischen vernehmen. Unsre deutschen Vorfahren haben die Aussprache des Hebräischen eben so wie die Her deutsch-nationalen Sprache zu einem Jargon verrenkt. 11