Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 267)
- Language
- German
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160 die friedliche Stille unterbrechen, denn Alles ist dann befriedigt. Besonders wäre es sehr zu wünschen, daß für alle Tempel, wenigstens in unserem österreichischen Vaterlande, eine gleichmäßige Einrichtung getroffen werde. Wir machen daher den Vorschlag, eine Commission von Fachmännern aus allen Provinzen möge zusammentreten, um eine allgemeine Ritus- Ordnung für unsere zeitgemäß eingerichteten Bethauser zu entwerfen, und überhaupt alle unsere religiösen Interessen in einer Weise festzustellen, daß das Princip der Bildung und Aufklärung neben echter, aus Kenntniß und Wissenschaft begründeter Religiosität ein für allemal gesichert werde, im Voraus vorbeugend jedweder schiefen Richtung oder Einseitigkeit. Sollte also auf diese unsere Anregung eine Commission, vermöge Uebereinstimmung aller Gemeinden, zu genanntem Behufe das heilige Werk übernehmen, so ergreifen wir hiermit die Gelegenheit, derselben folgende Punkte zur geneigten Berathung vorzulegen: Erstens. Da unsere Gebetsprache die hebräische verbleibt, so wolle man für die hohen Festtage die Gesänge (Pijutim), welche bei uns deutschen Gemeinden den Dichtern deutscher Schule entlehnt sind, sämmtlich streichen und mit Gesängen aus der spanischen Schule, welche früher in Spanien, jetzt im ganzen Orient, auch Jtaiien und Südsrankreich in rituellem Gebrauche sind, ersetzen. Denn wem von allen Denen, welche die hebräische Sprache nur einigermaßen wissenschaftlich betrieben haben, sind die Namen eines Rabbi Jehuda Halewi, Rabbi Salomon ben Gabirol, oder Rabbi Abraham Iben Esra, jener heilig begeisterten Sänger, jener zierdevollsten Stützen des Judenthums nicht bekannt? Jenes Rabbi Jehudah Hallewi, sagen wir, Verfasser des Buches Kusri, das als Kanon für philosophische Religionswissenschaft zu allen Zeiten gelten wird, jenes Verfassers des tiefergreifenden Klageliedes Zion, der, als er nach jahrelangem Sehnen den heiligen Boden Jerusalems betrat, denselben geküßt und in der heißesten Sehnsucht auch seinen Odem