Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 265)
- Language
- German
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158 Vorlesungen aus der heiligen Schrift schloß sich natürlich der Vortrag des Predigers, welcher die vorgelesenen Stellen erklärte und die moralisch - religiösen Folgerungen in eindringlicher Rede dem Volke darthat. In späterer Zeit erst traf man die Einrichtung, daß die Prediger (hebr. Magidim) an den Sabbath-Nachmittagen ihren Vortrag hielten, um nicht die Morgenandacht, welche ohnehin den größten Theil des Vormittags in Anspruch nahm, zu viel in die Länge zu ziehen. Das Zeitgemäße und der Fortschritt besteht also auch hier blos darin, daß der Redner auf einer Landes- Universität gebildet, seine Rede regelrecht nach der Vorschrift der Kunst und in dem schönsten und gediegensten hochdeutschen Style halten solle. Dagegen wird wohl Niemand was haben. Hier kommt jedoch wieder ein anderer Umstand in Betracht. Indem man die Predigt neuerdings der Morgenandacht wieder einverleibte, that es Noth, besonders an den hohen Festtagen, das Beten zu verkürzen, welches man ganz richtig an den einer spätern Zeit ihren Ursprung verdankenden Gesangen(Pijutim) bewerkstelligte. Jedoch, da man in den verschiedenen Tempeln auch verschiedentlich dabei zu Werke ging, entstand ein Streit über das normlose Verfahren, warum den einen Gesang streichen, warum nicht den andern, dem Einen waren zu wenig Gesangstücke zurückgeblieben, für den Andern waren diese noch zu viel. So der Streit im Innern des Tempels; um wie viel mehr von Außen her, von den Anhängern der alten Synagoge. Diese dachten: man wolle das Judenthum einzelweise seinem Ende zusühreu, erst ein Gebet, dann noch ein zweites, dann gar Alles wegwischen. Wenn man bei den Gebeten, die so ganz und gar außerhalb dem Bereiche bürgerlicher Beschäftigung und bürgerlicher Berufspflichtigkeit Liegen, den Anfang mache, wo wolle man bei weiterer Vertilgungssucht enden? Obgleich wohl wissend, daß an diesen Festtagsgesäugen gar nichts gelegen sei, daß diese von Verfassern späterer Zeit herrühren, und selbst bei völliger Weg-