Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 264)
- Language
- German
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quenl durchgeführtes Princip, ohne das Uebrige damit irr harmonischen Einklang zu bringen, da ist keine Übereinstimmung, keine allgemeine Befriedigung zu erzielen möglich. Regelmäßiger Chorgesang und deutsche Predigt sind wohl an sich sehr löbliche Fortschritte, müssen aber zu dem ganzen synagogalen Systeme in ein solches Verhältniß gebracht werden, daß das Ganze von einer waltenden Ordnung, von kenntnißreicher Erwägung zeuge. Choralgesang vorerst ist gewiß so allgemein Gewöhnliches, daß wir, aufrichtig gestanden, nicht einmal wissen, wie man nur so Etwas als Fortschritt, als Frucht der neuzeitigen Aufklärung bezeichnen könne. Von jeher, selbst in den ältesten Synagogen, trug immer ein Vorbeter in Begleitung eines Chors die Gebete mit Gesang und Melodie vor, und zwar so, daß unsre größten Sangeskünstler sich nie ans der Bühne, sondern vielmehr in der Synagoge producirten und auch da ihren Beruf fanden. Der Fortschritt soll also doch wohl darin bestehen, daß die Synagogen-Melodien in kunstgemäße Noten gesetzt wurden, und daß statt des früher üblich gewesenen überlauten Mitbetens der Versammlung jetzt des Chores Stimme die allein vernehmbare sei. Aber eben dies bietet einen triftigen Grund zur Unzufriedenheit dar. Die beabsichtigte Tonesmäßigung der Mitbetenden hat sich in eine gänzliche Stille aufgelöst. Nach dem Dafürhalten allortiger Tempelvorsteher müsse das Chor alleinbetend der Versammlung genügen; während jedoch jeder Andächtige seiner Herzensergießung freien Lauf lassen will, betend, weinend, dankend und schluchzend. Der Fromme kommt in das Bethaus, um zu beten, nicht aber um selbst die schönsten Sangesproductionen still anzuhören. Aehnlich verhält es sich mit der deutschen Predigt. Belehrung des Volkes war zu jeder Zeit Bestandteil der öffent> lichen Andacht. Daher das Vorlesen aus dem Pentateuch gn jedem Sabbath, wie an Montagen und Donnerstagen, wo das Volk am zahlreichsten zusammenkam. An diese