Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 263)
- Language
- German
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156 Sie ertheilen daher dem Volke nach Beendigung der Predigt den Segen, welcher in der heiligen Schrift mit dem Worte Jebarekka anfängt und laut Vorschrift nur von den Priestern aus dem Stamme Ahron's gesprochen werden durste. Das solchergestalt durchgeführte Princip rief nicht nur, wie es zu erwarten war, Widerspruch hervor, sondern auch einen furchtbaren Streit und Bannstrahlen von Seiten der orthodoxen Rabbiner, welche die Mehrzahl bildeten. Mehrere Schriften liegen uns gedruckt vor, welche diese Neuerung verschiedentlich beurtheilen, je nach dem Bildungsgrade ihrer Verfasser. Die Stimmen sind nun verhallt, die Kämpfer ermüdet, die Neuerung ist — Neuerung geblieben, ohne Nachahmung. Ob es jedoch wirklich damals zeitgemäß war, ob die Tempel-Gemeinde in Hamburg, und zu jener Zeit, wo noch „Jude" und „niedrigste Creatur" gleichbedeutend waren, eine gegründete Veranlassung dazu hatte, das ist eine andere Frage. Anerkannt wurde eine solche Neuerung nun nicht. Einer Orgel erfreuen sich nur eben dieser Tempel zu Hamburg, und der Filial-Tempel in Leipzig, sonst, vielleicht mit unbedeutenden Ausnahmen, keine Synagoge in den namhaften Gemeinden Deutschlands. Anders verhält es sich mit dem wirklich Zeitgemäßen. Was die Bildung von Denen, die auf sie Anspruch machen, zu fordern berechtigt ist, das muß geschehen, das bricht sich Bahn, trotz allen Hindernissen, bis in die entferntesten Winkel hin. Deutsche Predigt und geregelten Chorgesang finden wir jetzt allenthalben, wo nur eine Gemeinde die erforderlichen Geldkräfte dazu besitzt, und um dieser beiden Neuerungen wegen sind nun die neu eingerichteten Synagogen, nach dem Muster Hamburgs, wenn auch mit weniger Begründung, Tempel genannt worden. Da aber ging erst der eigentliche Zank los, und zwar in mancher Beziehung, nicht mit Unrecht. Denn wo blos das vom Zufalle Hingeworfene ausgenommen wird, ohne conse-