Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1854-01-01 · Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854) · p. Seite 155

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 155 (sequence 262)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2609281-2609282--2250-2609592
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

155 entschloß, auf eigene Kosten ein solches separat in ihrer Gemeinde herzurichten, hatten sie nicht die Absicht, blos hie und da einige Verbesserungen, oder auch einige dem ästhetisch gebildeten Geschmacke entsprechende Neuerungen in der Kultusordnung anzubringen, sondern gingen dabei von einem allgemeinern, daher in allen Punkten durchgreifenden Principe aus. Sie stellten den Grundsatz auf: die Synagoge müsse die seit der Zerstörung Jerusalems angeordnete Trauer endlich ablegen, sich den Verhältnissen der Zeit und der Bildung angemessen umgestalten, und in dieser ihrer Neugestaltung ein vollkommenes Abbild des Tempels zu Jerusalem sein. Diesem Grundsätze entsprechend führten sie nebst dem geregelten Chorgesang auch Instrumentalmusik wieder ein, und da die Orgel als Das zur Andacht stimmende musikalische Instrument allgemein im Gebrauche ist, wählten auch sie diese für ihren Tempel. Daher strichen sie auch alle Gebete, welche Klagen über Israels Zerstörung und Tröstungen in Bezug auf die Wiederkehr nach Jerusalem enthalten, und schafften die hebräische Sprache überhaupt, bis auf einige äußerst wenige Ausnahmen, als Gebetsprache ab. Daher begnügten sie sich nicht mit der bloßen Uebersetzung der Davidischen Psalmen, sondern verfaßten ein eigenes deutsches Gesangbuch, aus welchem an den verschiedenen Festtagen die Lieder zur Erbauung gewählt werden. Daher führten sie bei den wenigen zurückbehaltenen hebräischen Gebeten statt der deutschen die sogenannte spanische, oder besser die echt jerusalemische Aussprache des Hebräischen wieder ein. Es blieben noch die Opfer, die einen zeitangemessenen Ersatz forderten; das sei nun die Belehrung, die Predigt. Daher der Grundsatz: keine A-dacht ohne Predigt. Sie stellten an ihrem Tempel zwei Prediger an, welche abwechselnd jeden Sabbath und Festtag während der Morgenandacht das Volk über dessen moralisch-religiöse Pflichten belehren. Die Prediger seien demnach an der Stelle der Priester.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.