Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1854-01-01 · Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854) · p. Seite 104

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 104 (sequence 213)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2609281-2609282--2201-2609543
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

104 vor ihrer Entlassung sich über ihren künftigen Beruf ins Einvernehmen fetzen könne. Herr Graf Coudenhoven, eine der menschenfreundlichsten und liebenswürdigsten Persönlichkeiten, nahm diese Frage sehr zuvorkommend auf und versprach sie in Beziehung auf das n. ö. Strafhaus zu unterstützen. In Betreff der im Kriminale Inhaftirten jedoch mußte man sich an den Magistrat wenden. Herr Dr. Frankl hat darauf in der Vorstandsitzung einen dahin einschlagenden Antrag gestellt, und der Vorstand, stets bereit das Gute zu fördern, die Saat des Heiles zu streuen, hat den Antragsteller beauftragt die nothwendigen Schritte zu machen. Mittelst Dekret vom Magiflratsprästdium ddo. 23. Oktober 1847 Zahl 9036 wurde den Vertretern gestaltet einen Gottesdienst im Kriminalgebäude einzurichten, und laut Dekret vom 9. März 1848 Zahl 13.216 wurde der Gottesdienst für israelitische Sträflinge im Prov.-Strafhause bewilligt. Herr Prediger Mannheimer wurde von dem Vorstande ersucht eine Norm für diesen Gottesdienst zu entwerfen und derselbe entschied für das Sabbath- oder Festtagsgebet (Mussaf), das Vorlesen des betreffenden Abschnittes aus der Thora und eine Exhorte. Am Osterfeste des Jahres 1848 war der erste Gottesdienst. Im Strashause wird jetzt alle Samstage und an jedem Festtage der Gottesdienst gehalten. Die Sträflinge werden zur Thora vorgerufen. Die Melodien beim Gebete sind wie im hiesigen Tempel und die Sträflinge bilden den Chor und singen mit. Man vergißt in solchen Augenblicken, wo einvielstimmiger Chor Gottes Lob und Preis verkündigt, wo man sich befindet. Als integrirender Theil des Gebetes ist auch das Gebet für Se. Majestät und für das gesammte Kaiserhaus. In Betreff der Exhorte ist der pädagogische Grundsatz des Talmuds festgehalten. Da heißt es nämlich: man bezähmt den bösen Trieb nur, wenn man mit der einen Hand denselben zurückstößt und mit der andern ihn näher an sich bringt. Man kann den Leuten nicht gegenübertreten: „Ihr seid Verbrecher"; weil eben in jedem Verbrecher noch das sittliche Gefühl lebt, so daß er sich aufs tiefste dadurch verletzt fühlt. Eben so wenig und noch weniger aber gilt es da zu vertuschen und etwa den Fehltritt beschönigen zu wollen. Eines mit dem andern muß verbunden werden und allerdings bietet die Religion den Stoff dazu. Sie hat den blühenden Stab der Hoffnung auf das bessere Leben, zugleich aber auch die Geißel des Strafgerichtes im künftigen Leben in der Hand. Es gehet auch daraus hervor, daß die Worte, die da gesprochen und der Umgang, den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.