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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1854-01-01 · Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854) · p. Seite 93

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 93 (sequence 202)
Language
German
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93 so lange als notwendig und heilsam bewährt haben. Die Unumgänglichkeit einer solchen, dem Vorgang in andern Gemeinden entnommenen Einrichtung mußte aber um so eher ein-- leuchten, als die durch viele Jahre bestandene Haupteinnahmsquelle, die auf einen Fleischaufschlag von einem Kreuzer Conv.- Münze Pr. Pfund Rindfleisch sich gründete, der Gemeindefleischbank durch Aufhebung des Aufschlags und Zulassung der Concurrenz in der Ausschrotung des Koscherfleisches wo nicht ganz versiegte, doch sehr reducirt wurde. Die FLuanzverlegenheiten der Gemeinde vermehrten sich so sehr dadurch, daß eine Zeitlang selbst der Fortbestand der ehrwürdigen und heilsamen Institution des Spitals damit in Frage gestellt schien. Die Unzulänglichkeit des israelitischen Tempels in der Seitenstettengasse hatte schon längst die Herstellung eines zweiten Bethauses zum dringenden Bedürfnis gemacht. Namentlich sollte damit dem Unwesen der Betstuben, die der gestellten Aufgabe so wenig entsprachen und manchen Mißbrauch mit sich führten, ein Ziel gesetzt werden. Nach umsichtiger Erwägung entschied sich der Vorstand durch Stimmenmehrheit für die Errichtung eines neuen Bethauses in der Leopoldstadt, da das religiöse Bedürfniß der zahlreichen israelitischen Einwohnerschaft dieses Bezirkes zunächst in Betracht zu ziehen sei. Der Umbau des bisherigen Tempels, abgesehen, daß er die zeitweiligen Verlegenheiten vermehrt hätte, würde jenem Bedürfniß mrt einer Vermehrung von 3000 Betplätzen für Sitzende und Stehende nicht in dem gleichen Maße entsprochen und einen verhältnißmäßig größeren Aufwand herbeigeführt haben. Letzteres stellte sich neben noch anderen Jnconvenienzen weit mehr noch hinsichtlich der von einigen Vorstandsmitgliedern bevorworteten Acquirirung eines zweiten Bethauses in der innern Stadt heraus. Mit dem prvjektirten neuen Bethause sollen nun auch die erwünschlichen Localitäten für das Frauenbad, für einen Theil der Schule, für die Kinderbewahranstalr, Wohnungen von Gemeindebeamten n. a. in Verbindung gebracht werden. Der dießfällige Kostenaufwand ist im Ganzen auf 300.000 fl. C.--M. veranschlagt. Für die Aufbringung wurde ein sünfprozentiges, nl pari auszugebendes und durch jährliche Verlobung zurückzuzahlendes Anlehen unter den Gemeindegliedern selbst und durch freiwillige Subscriprion aufzunehmen beschlossen. Dieselbe hat bereits insoweit den erwarteten Änklang gefunden, daß vorerst der Bau des Bethauses selbst vollständig gedeckt erscheint, und die Aufbringung des Ueberrestes wohl ebenfalls erhofft werden darf. Da nun die aller höchste Genehmigung im Frühjahr 1854 erfolgte, so wird der Bau noch im Sommer in Angriff genommen und wahrscheinlich bis zu Ende des nächsten Jahres seiner

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