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Ost und West · 1901-08-01 · Heft 8 (August 1901) · p. Seite 605 - 606

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 8 (August 1901)
Article
Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
Date
1901-08-01
Page
Seite 605 - 606 (sequence 7)
Language
German
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605 Professor Dr. D. Joseph: Stiftshiitte, Tempel- und Synagogenbauten. 606 Zutritt erhielten. Eine Ausnahme machten die Vertreter der zwölf Stämme Israels, deren Pflicht in der Anwohnung der täglichen Opfer bestand. Wie im späteren Tempel stand auch im Salomonischen der Brandopferaltar genau in der Mitte des Priestervorhofs; er hatte eine Grundfläche von 28 Ellen im Quadrat.12) Je näher wir nun dem im Westen gelegenen Heiligtum kommen, desto heiliger wird auch der dazwischen liegende Raum, so namentlich der Raum zwischen dem Altar und dem Gebäude selbst, doch bevor wir hier hineintreten, nehmen wir im Vorhof selbst noch das „eherne Meer* wahr, ein mächtiges Becken, das sich auf zwölf eherne Stiere setzt und dessen Wasser den Priesterreinigungen diente. Hiervon sowie von den auf Rädern beweglichen ehernen Waschkesseln sollen die Figuren 8 und 9 eine gewisse Vorstellung geben.13) Palmen, Cherubim, Löwen, Stiere bilden hier die Dekoration. Ein genaueres Modell des ehernen Gestühls haben die letztjährigenAusgrabungen auf Cypern zu Tage gefördert. Ich gebe dasselbe nach der in der Publikation meines verehrten Lehrers Prof. A. Furtwängler (Woche 1900, S. 901) befindlichen Abbildung wieder (Fig. 10). Das in Privatbesitz aufbewahrte Gerät gehört der mykenischen Epoche um 1000 v. Chr. an und stimmt Fig. 12. Schema der Säulen Jachin und Boas. so sehr mit den Angaben über die ähnlichen Bildungen des Tempels überein, dass ein Rückschluss unbeweisbar erscheint. Mit Perrot und Chipiez u) sind wir geneigt, uns den Vorhof, ähnlich wie in den homerischen Palästen,15) von Säulenhallen umgeben zu denken. An die ganze Westseite schliesst sich das Tempelgebäude mit seinen Dependenzen. Da ersteres nicht so breit war, so blieben zu beiden Seiten noch leere Stellen übrig, die nach dem Vorhof zu mit Gittern abgeschlossen waren. Die umgebenden Gebäude dienten in drei Stockwerken den verschiedensten Zwecken, so als Wirtschaftsräume, Speise- und Ankleidezimmer der Priester, das Westgebäude wohl zur Aufnahme des von der Stadtseite eingeführten Viehbestandes. Das Tempelgebäude selbst entspricht in seiner Grundrisseinteilung bis auf die nun vorgelegte Vorhalle völlig dem Prototyp, der Stiftshütte. Es ist das dieselbe Dreiteilung, die wir nicht nur, wie bereits erwähnt, im ägyptischen Tempel finden, sondern auch in den Palästen Mesopotamiens und den Wohnhäusern des heroischen Zeitalters in Griechenland, worüber ich an anderer Stelle15) bereits berichtet habe. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer in dankenswerter Weise sein Exemplar zur Verfügung gestellt. 12) Middoth 3, i und Bartenor dazu. 13) Entnommen dem Werke vom Pater Odilo Wolff, Der Tempel von Jerusalem und seine Masse, Graz 1887. S. 32, 33. 111 llistoire de l'art IV, Plan I. Dieser und die noch genannten Pläne derselben Verfasser befinden sich auch in deren prächtiger Publikation: Le temple de Jerusalem restituc d'apres Ezechiel et le livre des Rois. Paris 1889. 15) D. Joseph, Die Paläste des Homerischen Epos im Hinblick auf die Ausgrabungen Heinrich Schliemanns, 2. Aufl. Berlin 1895.

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