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Ost und West · 1901-08-01 · Heft 8 (August 1901) · p. Seite 607 - 608

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 8 (August 1901)
Article
Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
Date
1901-08-01
Page
Seite 607 - 608 (sequence 8)
Language
German
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607 Professor Dr. D. Joseph: Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten. 608 Danach unterscheiden wir Vorhalle, Heiliges und Allerheiligstes. Die Vorhalle ist ein Raum von 20 Ellen Breite, 10 Ellen Tiefe und 30 Ellen Höhe, sie öffnet sich nach dem Priestervorhof vermöge einer mächtigen Thür von 14 Ellen Breite. Das Heilige ist der grösste der Innenräume des eigentlichen Tempels, er zeigt bei der gleichen Breite wie die der Vorhalle und des daranstossenden Allerheiligsten eine Tiefe von 40 Ellen. Auch die Höhe entspricht derjenigen der Vorhalle, während das Allerheiligste bei 20 Ellen Tiefe nur eine Höhe von 20 Ellen aufweist, sich also als ein Würfel von 9,678 m Seite präsentiert. Da nun Fig. 13. Tempel des Chons zu Karnak in Aegypten. Grundriss und Längsschnitt. die Höhe des ganzen Tempelhauses auf 30 Ellen angegeben ist,16) so ist man gezwungen, über dem Allerheiligsten noch einen Raum anzunehmen, den man am besten als Schatzkammer bezeichnet. Die eingehende Schilderung des prachtvollen Innern mit dem Balkenwerk und dessen geometrischer Vertäfelung, den reliefgeschmückten Cedernholzwänden und dem glänzenden Ueberzug mit Goldblech gemahnt uns ebenso an assyrisch-babylonische Bauweise, wie die Cherubimgestalten, die nach der Bekanntgabe Ezechiel^17) in den geflügelten Löwen und Stieren mit Menschengesichtern Assyriens ihr Prototyp gefunden haben. Fig. 11 giebt uns eine Anschauung von dem so glänzend ausgestatteten Innern des 16) III. Reg. 6, 2. ,i7) Ezech. 41, 19. Hechal, nach der Rekonstruktion von Perrot et Chipiez. Das Allerheiligste enthielt die heilige Bundeslade mit den steinernen Gesetzestafeln des Moses. Ihr Standort war der heilige Fels,18) was mit der jüdischen Ueb er lieferung übereinstimmt.19) Zwei kleine Cherubim befanden sich auf der Lade, zwei grosse, die Hälfte des Raumes füllende Cherubim waren zu beiden Seiten postiert. In der Nähe des Eingangs zum Allerheiligsten, aber noch im Heiligen waren der Rauchopferaltar, die neun goldnen Schaubrottische und zehn siebenarmige Leuchter von demselben edlen Metall aufgestellt.20) Vor dem Haupteingange zur Vorhalle waren die beiden ehernen Säulen Jachin und Boas, hervorragende Werke des Meisters Churam-abiw, zu sehen, deren wirkliche Gestalt in Fig. 12 annähernd richtig wiedergegeben sein mag.21) Um das Tempelhaus herum legt sich ein dreistöckiger Bau, der aus lauter kleinen Zellen zusammengesetzt war, um so für die Priester genügende Erholungsräume darzubieten, aber auch für die Zwecke der Aufbewahrung von Geräten und sonstigen Utensilien werden die Zellen in Anspruch genommen worden sein.22) Auch hier drängt sich der Vergleich mit den ähnlichen Anlagen ägyptischer Tempel auf, nur dass in diesen die Mehrstöckigkeit fortfällt. Wir geben 'als Beispiel den Tempel des Chons zu Karnak (Fig. 13). Mit geringerer Sicherheit wie über die Grundrissdisposition kann man sich über den architektonischen Aufbau äussern. Gewiss ist, dass der ägyptische Einfluss auch bei der tektonischen Formgebung, namentlich bei dem eigentlichen Mauerbau, nicht von der Hand zu weisen ist, mehr aber noch wird man auf die nahen Beziehungen zu den mesopotamischen Ländern mit ihren phantasiereichen Architekturen zurückgreifen müssen, um ein einigermassen zutreffendes Bild des Aeusseren zu erlangen. (Fortsetzung im nächsten Heft.) 18) Zeichnung bei Vogüe. Auch bei Wolß a. a. O. wiedergegeben. 19) Gemara zu Bab. Joma V, 2. 20) Ueb er den Verbleib der Tempelgeräte und deren Darstellung auf dem Titusbogen zu Rom vgl. Dr. A. Berliner, Geschichte der Juden in Rom, S. 116 if. 21) Nach Perrot et Chipiez, Le temple de Jerusalem, PI. VII. Cfr. F. v. Reber, Ueber die Anfänge des jon. Baustils. München 1900, S. 109. 22) III. Reg. 7, 51; 15, 15; IV. Reg. 11, 10.

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