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Ost und West · 1901-08-01 · Heft 8 (August 1901) · p. Seite 601 - 602

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 8 (August 1901)
Article
Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
Date
1901-08-01
Page
Seite 601 - 602 (sequence 5)
Language
German
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601 Professor Dr. D Joseph: Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten. 602 und Materialien ab. Hierüber und über vieles andere geben uns besonders die Bücher der Könige Aufschluss. Bei dieser Gelegenheit kann ich mir nicht versagen, die ungemein poetische Fig. 8. Das eherne Meer (nach O. Wolff). Schilderung der talmudischen Ueberlieferung an dieser Stelle einzuschalten.7) „Unbeschreiblich war das Getöse und Gewoge in allen Weltreligionen. Himmel und Erde dröhnten ob des Arbeitslärms. Alle Geschöpfe der Welt kamen herbei, um irgend eine Beschäftigung beim Bau zu erbitten. Die Vögel des Himmels kamen geflogen, merkten auf die er- O O ' forderlichen Gegenstände und eilten fliegend nach allen Richtungen der Windrose, um dieselben aus weiter Ferne zu holen, damit niemand in seiner Arbeit gestört werde. Die Wolken fächelten den Arbeitern erquickende Kühlung zu, um ihnen die drückende Hitze erträglich zu machen. Die Engel des Himmels kamen und gingen unauf- Fig. 9. Der eherne Waschkessel (nach O. Wolff). hörlich, um die beim Bau Beschäftigten zu beschützen. Sieben Jahre hindurch standen letztere unaufhörlich bei der Arbeit, ohne dass 7) J. S. Kolbe, Archäolog. Beschreibung Jerusalems, seiner Oertlichkeiten und Prachtgebäude, mit bes. Rücksicht auf den Tempel, Wien 1883. einer von ihnen erkrankt oder nur unwohl geworden wäre. Keinem derselben ist während dieser Zeit ein Unfall zugestossen, kein Arbeitsgerät oder Werkzeug versagte den Dienst. Das aus dem Walde herbeigeführte Holz war zu dem, wozu es gebraucht werden sollte, geeignet und bereits so beschaffen, wie man es eben brauchte. Der Glanz der herbeigeführten Steine blendete das Auge, so dass es in diesen nicht sehen konnte, gleichwie in den Glanz der Sonne. Voll Freudigkeit und Bereitwilligkeit verfertigten sich die Materialien selbst zum Nutzen des erhabenen Baues und zwar so, wie der sterbliche Mensch es sich im Geiste gar nicht hätte vorstellen können." Fig. 10. Das neuentdeckte eherne Gestühl auf der Insel Cypern. Glücklicherweise sind wir nicht auf diese märchenhafte Schilderung allein angewiesen, um ein anschauliches Bild von dem Salomonischen Tempelbau zu gewinnen, vielmehr sind wir in der angenehmen Lage, auf der heiligen Schrift8) selbst fussen zu können, sodann giebt uns der jüdische Historiker Flavius Josephus9) dankenswerten Anhalt. Versuchen wir uns, zunächst ohne eingehende Rücksicht auf die vielgestaltigen Rekonstruktionsversuche, zu orientieren. Wir legen dabei den Fleischer'schen10) Grundriss des Tempels zu Grunde, ohne vor der Hand diesen als den einzig richtigen anzusehen. 8) III. Reg. 6; IL Par., 3; Ezech. 40—42; 46, 19—24. 9) Flav. Joseph. Antiquitates VIII, 3; Bell. j. V, 5. Zeitschr. d, Qeslerr, Ingenieuru. Architekten-Vereins a. a. 0.

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