Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- Synagogale Kunst
- Date
- 1901-04-01
- Page
- Seite 287 - 288 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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287 Binjamin Segel: Synagogale Kunst. 288 Tafelförmiger Leuchter aus Messing in der Synagoge zu Pohrebyszcze, reich verziert. hauses in Zloczow betraut, welches er jedoch nicht zu Ende führte, da er bei der Untersuchung des Dachgefüges zu Boden stürzte und starb. Er wurde auf dem Friedhof zu Zloczow beerdigt. Von den kunstvollen Synagogengeräten, die uns Bersohn vorführt, verdienen besonders hervorgehoben zu werden die Heilige Lade in der Synagoge von Zabludow, deren Deckel mit einer zart und elegant ausgeführten Schnitzerei mit dem Motiv des siebenarmigen Leuchters versehen ist; ferner aus der Synagoge von Lutomiersk die aus einem Stück Eichenholz gefertigte Almosenbüchse mit einem sitzenden Löwen auf dem Deckel, durch dessen geöffneten Rachen man die Gaben ins Innere warf. Ein schönes Denkmal der Goldschmiedekunst ist die in der Synagoge von Pohrebyszcze aufbewahrte Thora- Krone aus stellenweise vergoldetem Silber. Besonders elegante und anmutige Formen weist die Heilige Lade in derselben Synagoge auf, mit ihrem fein ausgeführten, dem Pflanzen- und Tierreich entnommenen Zierrat. Als wahre Meisterwerke, sowohl wegen der Originalität der Idee, wie auch wegen der vollendeten und tadellosen Ausführung verdienen bezeichnet zu werden, die beiden ebenfalls in der Synagoge zu Pohrebyszcze befindlichen Leuchter aus Messing. Der eine, für das Chanukafest bestimmt, mit einem drehbaren Arm für den Schamas, bewahrt die traditionelle Form der Menorah, der andere bildet eine aufrechtstehende, viereckige Tafel an der zu beiden Seiten die Arme hervorwachsen. Die reiche, aber keineswegs überladene Tier- und Pflanzenornamentik, wie auch die sonstigen Verzierungen haben Anklänge sowohl an den Renaissancewie an den romanischen Stil, doch scheint der Künstler nicht viel von Schulregeln gewusst, wenigstens sich nicht viel aus ihnen gemachtzuhaben, sondern seiner eigenen momentanen Inspiration gefolgt zu sein. Ueber den Schöpfer dieser Leuchter ist es Bersohn gelungen, einiges Licht zu verbreiten. Er war ein armer Handwerker Namens Baruch, der am Anfang des 18. Jahrhunderts in Pohrebyszcze lebte und sich von dem Ausbessern von Metallgeräten kümmerlich ernährte. Der katholische Ortsgeistliche trug ihm oft Arbeiten für die dortige Kirche auf. Baruch hatte die Gewohnheit, in den Häusern, wo er arbeitete, die Abfälle von Messing für sich zu erbitten, auch pflegte er für seine Ersparnisse zerbrochene und unbrauchbare Messinggeräte zu kaufen. Befragt, wozu er diesen Kram sammle, antwortete Baruch, wenn erdas nötige Metall beisammen habe, wolle er für die Synagoge ein Kunstwerk eigener Arbeit stiften, das noch die ferne Nachwelt bewundern solle. Baruch hielt das sich gegebene Wort. Nach achtjährigem Sammeln konnte er sich an die Arbeit machen, und nach weiteren sechs Jahren war er mit seinem Werke fertig. Ein in derselben Synagoge befindliches, auf Pergament geschriebenes und mit schönen Arabesken und Initialen verziertes Gebetbuch scheint von dem Sohne Baruch's geschrieben und der Synagoge gestiftet worden zu sein. Bersohn hat mittlerweile die früher begonnene Untersuchung der gemauerten Synagoge fortgesetzt, und in einem der letzten Bände der von der Krakauer Akademie der Wissenschaften herausgegebenen „Sitzungsberichte der kunsthistorischen Kommission" bietet er die Beschreibung eines äusserst interessanten Bauwerkes. Die Synagoge von Luck fällt nicht durch Schönheit, sondern durch Fremdartigkeit und Sonderbarkeit der Formen auf. Aeusserlich betrachtet, bildet der geräumige imponierende Bau eine seltsame Kombination eines Hauses im Stile der italienischen Renaissance und eines nicht unschönen, flachen, viereckigen, sehr hohen Turm es von festen Mauern, dessen oberster Teil mit seinen Zinnen, Luken und Schiessscharten eher an eine — Festung erinnert. Festung und Synagoge — wie reimt sich das? Bersohn fand im Warschauer Krons-Archiv zwei aus den Jahren 1626 und 1629 stammende, von König Sigismund III. den Juden von Luck ausgestellte Privilegien, vermittels deren ihnen gestattet wird, eine Synagoge zu erbauen, jedoch nur unter der Bedingung, class dieselbe derart eingerichtet werde, dass sie gleichzeitig als Festung wider die Tatareneintälle diene! „Dass die Juden auf dem