Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- Synagogale Kunst
- Date
- 1901-04-01
- Page
- Seite 289 - 290 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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289 Binjamin Segel: Synagogale Kunst. 290 „Festungssynagoge" zu Luck. Der entstellende Vorbau mit den drei Dachkegeln links ist erst später hinzugekommen. Gipfel dieser ihrer Synagoge bequeme Gelegenheit herstellen, nach allen vier Himmelsrichtungen wider den Feind Geschosse bereit zu halten und sich zu verteidigen, dass sie ferner auf ihre Kosten ein ordentliches Geschütz hinschaffen und es bei einem feindlichen Ueberfall durch geeignete Personen aus ihrer Mitte bedienen lassen." Wir haben es hier also mit einer Synagoge zu thun, die zugleich als richtige Festung verwendet wurde. Während im Innern die Gebete zum Herrn der Heerscharen empordrangen, wurden auf dem Dach die Schlünde der Kanonen auf den herannahenden Feind gerichtet. Es giebt in anderen Gegenden Polens noch einige Synagogen der gleichen Art, die in dem unkundigen Beschauer Staunen erregen. Gelegentlich eines Umbaues oder dgl. entdeckt man auf dem Dach Bleikugeln und seltsam geformte Röhren. Daraus entsteht im Volke manche hübsche, aber unhistorische Sage, und niemand ahnt, dass man hier einen eigenartigen Synagogentypus vor sich hat, nämlich den Typus der Festungssynagoge". Backen der Osteibrode. (Aus einer Hagada, Amsterdam 1695.) Vorlesung aus der „Hagada". Aus Kohnt: Geschichte der deutschen Juden. Deutscher Verlag, Berlin SW.