Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- Synagogale Kunst
- Date
- 1901-04-01
- Page
- Seite 285 - 286 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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285 Binjamin^Segel: Synagogale Kunst. 286 Sind wir über die Erbauungszeiten der einzelnen Synagogen nur ungenau unterrichtet, so fehlt in den allermeisten Fällen jegliche Wissenschaft von den Erbauern derselben, ebenso wie von den Künstlern, denen wir die innere Ausschmückung der Synagogen und die in ihnen aufbewahrten Kultusgeräte verdanken. Es ist ja unzweifelhaft, dass vielfach christliche Künstler beim Bau. und bei der Renovierung von Synagogen thätig gewesen sind. In mehreren Fällen bezeugen dies die Inschriften, mit denen diese Meister an den Wänden der Gotteshäuser ihre Namen verewigt haben. Auf dem Schlussstein eines Bogens an der alten Svnagoge (Polona) zu Krakau liest man die Inschrift: MATHEUS - GUCY - FLORENTINO. 1570. In diesem Jahre nämlich hat dieser, übrigens sonst unbekannte Künstler die Renovation der genannten Synagoge vorgenommen. Andererseits ist es bekannt, dass polnische Könige und zahlreiche Magnaten, unbekümmert um die Synodalbeschlüsse des katholischen Klerus, welcher sich eine Art Oberhoheit über die Juden anmasste und ihnen das Recht, Synagogen zu bauen und zu renovieren, nach Kräften zu beschränken oder es von seiner eigenen Genehmigung abhängig zu machen strebte — die Errichtung von jüdischen Gotteshäusern häufig gefördert haben. Die weitberühmte, wunderschöne Synagoge von Zolkiew (bei Lemberg) heisst noch heute im Volksmund „Sobieski's Schul", weil König Johann III. Sobieski nicht nur in einem Reskript von 1676 die weitere Benutzung und Restaurierung des auf königlichem Grund und Boden aufgeführten Gotteshauses gestattet, sondern der Tradition gemäss aus eigenen Mitteln einen Teil der Kosten bestritten und zur Ausschmückung beigetragen hat. Zahlreiche Magnaten, wie dieRadziwill's, Lubomirski's, Czartoryski's, Poniatowski's. Dzieduszyckfs u. a. haben für den Synagogenbau in den ihnen gehörigen Städtchen nahmhafte Beiträge gespendet an Geld und Naturalien, indem sie den Boden, das Bauholz oder sonstige Materialien unentgeltlich hergaben. Es ist nun sehr wahrscheinlich, dass ein solcher Magnat für die Errichtung des Bauwerkes einen in seinen Diensten stehenden Architekten anwies oder empfahl. Aber als ebenso sicher darf im vorhinein angenommen werden, dass nicht nur bei der inneren Ausschmückung der Synagogen und beim Anfertigen von Kultusgeräten, die häufig eine bei Christen jener Zeit kaum anzutreffende Vertrautheit mit dem jüdischen Synagogenritus und der hebräischen Sprache erheischten, sondern auch bei der eigentlichen Aufführung der Gebäude jüdische Meister Chanuka-Leuchter aus Messing in der Synagoge zu Pohrebyszcze. thätig waren. Aus zahlreichen Urkunden vom 16. und 17. Jahrhundert wissen wir, dass es unter den Juden in Polen zu jener Zeit viele kunstfertigeCiseleure. Stecher, Giesser, Maler, Goldschmiede, Teppichwirker, Sticker u. s. w. gab, deren Dienste oft sogar von der Kirche und dem Hochadel in Anspruch genommen wurden. Warum sollte es unter ihnen nicht auch kundige Zimmerleute und Baumeister gegeben haben? Doch versagen hier vorläufig die bisher bekannt gewordenen Quellen, und Bersohn hat nur den Namen des Erbauers der Synagoge von Lutomiersk ermitteln können. Er hiess Hillel Benjamin und stammte aus Lasko. Seine Kunst scheint er in Deutschland erlernt zu haben, und er genoss daheim einen gewissen Rut, da man ihn immer mit dem Beinamen Architekt bezeichnete. Nach Vollendung der Synagoge von Ltitomiersk wurde er mit der Erbauunoeines Gottes-